Publikum des Jahres 2017: Bamberger Symphoniker

„Bamberger sind neugierig“

Jeden Mittwoch stellt Ihnen die concerti-Redaktion einen Nominierten des Wettbewerbs Publikum des Jahres genauer vor. Der letzte Finalist sind die Bamberger Symphoniker

Bamberger Symphoniker © Andreas Herzau

Bamberger Symphoniker

Eigentlich sind die Bamberger Symphoniker ein Phänomen, denn streng genommen müssten sie als regionales Orchester wahrgenommen werden, wie es bei städtischen Klangkörpern üblich ist. Man kommt aus einer kleinen Stadt und spielt auch nur für sie und für die Region. Basta. Aber nicht bei den Bamberger Symphonikern. Dann spielt man zwar auch in und für die Heimatstadt und Franken, gehört aber gleichzeitig zu den renommiertesten Orchestern Deutschlands und ist in der ganzen Welt bekannt.

Und das kommt nicht von ungefähr, denn die Bamberger Symphoniker pflegen seit über 70 Jahren eine rege Tourneetätigkeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie das erste deutsche Orchester, das im Ausland ein Konzert gab. Inzwischen kommt das Ensemble auf über 7.000 Konzerte in über 500 Städten in mehr als 60 Ländern. Eine beeindruckende Bilanz.

Die Bamberger Symphoniker 1949 auf Tournee in Frankreich

Die Bamberger Symphoniker 1949 auf Tournee in Frankreich © Archiv Bamberger Symphoniker

Abo-Weltrekord in Bamberg

Wer jetzt denkt, dass die Bamberger Symphoniker aufgrund der regen Reisen ihre Heimatstadt vernachlässigen, irrt gewaltig. Gerade in Franken spielt das Orchester nicht nur besonders häufig, sondern hat dort auch ein überaus treues Publikum, wie Intendant Marcus Rudolf Axt verrät: „Fast zehn Prozent der Bamberger Bevölkerung hat ein Abonnement bei unserem Orchester – das ist Weltrekord! Gute Aboplätze werden vererbt – wer hier nicht dabei ist, kann nicht mitreden.“

Es ist aber nicht nur die Treue allein, die das Publikum in Bamberg für das Ensemble zu etwas besonderem macht. „Bamberger sind neugierig – auf Werke, die sie noch nicht gehört haben. Egal, ob brandaktuelle Neue Musik oder Erstaufführungen vergessener Werke, die in Bamberg noch nie gespielt wurden“, schwärmt Axt. Auch Jakub Hrůša, seit gut einem Jahr Chefdirigent des Orchesters, freut sich sehr über die rege Anteilnahme des heimischen Publikums: „Mit den Bamberger Symphonikern kann jedes noch so kleine musikalische Detail zu einem Wunder werden, und jedes Konzert verwandelt den, der es hört.“

Applaus für die Bamberger Symphoniker und Jakub Hrůša

Applaus für die Bamberger Symphoniker und Jakub Hrůša © Andreas Herzau

Die lange Tradition der Bamberger Symphoniker

Dass das Publikum mit dem Orchester derart eng verbunden ist, kommt allerdings nicht von ungefähr. Zum einen wird der Kontakt zu den Freunden der Bamberger Symphoniker e.V. sehr gepflegt. Zum anderen bietet der Klangkörper auch spezielle Angebote für Abonnenten an. Ein Beispiel ist die sogenannte Abokonferenz, auf der im Frühjahr gezielt die neue Saison vorgestellt wird. „Wie auf einer Pressekonferenz, nur eben für unser Publikum“, sagt Intendant Marcus Rudolf Axt.

Hinzu kommt noch die lange Tradition des Klangkörpers, das 1946 von ehemaligen Mitgliedern des Deutschen Philharmonischen Orchesters Prag gegründet wurde. „Mit Jakub Hrůša als unserem fünften Chefdirigenten schließt sich jetzt ein Kreis: Durch seine Ernennung lässt sich eine Brücke zu den musikalischen Ursprüngen unseres Klangkörpers in Böhmen spannen. Damit wird die über 230-jährige Traditionslinie der Bamberger Symphoniker konsequent fortgesetzt“, sagt Axt nicht ohne Stolz. Stolz ist er aber auch darauf, dass es die Bamberger Symphoniker in die Endrunde zum Publikum des Jahres geschafft haben: „Es ist für uns natürlich eine Ehre, aber zugleich auch Ansporn, hier mit dabei zu sein.“

Das Antrittskonzert von Jakub Hrůša bei den Bamberger Symphonikern:

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