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Magazin - Interview Janine Jansen - "Unser Spiel offenbart unsere Persönlichkeit"

 

Interview Janine Jansen

"Unser Spiel offenbart unsere Persönlichkeit"


Die Geigerin Janine Jansen über die Faszination der Kammermusik, Spontaneität auf der Bühne und die Verlängerung ihres Arms


von Dagmar Leischow

© Universal Music
Janine Jansen © Felix Broede

Auf Fotos setzt sie sich glamourös in Szene. Dabei ist Janine Jansen in Wirklichkeit völlig anders: natürlich, bescheiden, eine sensible Geigerin. Nie begibt sie sich mit ihrer Stradivari auf den Ego-Trip, sie will der Intention des Komponisten nachspüren und findet doch ihre ganz eigene Interpretation. Ihr Spiel ist unprätentiös, vital, packend. Jenseits der Bühne wirkt die Niederländerin kein bisschen scheu. Sie redet schnell, jedes Wort spiegelt ihre Leidenschaft für Musik wider.

Frau Jansen, haben Sie eine besondere Vorliebe dafür, Menschen moderne Musik nahe zu bringen?

 

Ja, aber die Musik muss mich ansprechen. Manche moderne Werke haben viele Klangfarben, sind lyrisch und klar strukturiert. Das ist nicht bei jedem modernen Werk der Fall. Brittens Violinkonzert wird aber zum Beispiel bis heute oft unterschätzt. Daher spiele ich es bei jeder Gelegenheit. Die meisten Interpreten ziehen jedoch Beethovens Violinkonzert vor.

Das haben Sie mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen aufgenommen.

Ich hatte ihren Beethoven-Zyklus oft gehört, er begeistert mich noch heute immer wieder. Bei diesem Orchester hat wirklich jede Note eine Bedeutung. Ihr Spiel ist so frisch und lebendig, und diese Energie habe ich mir auch für meine Beethoven-Aufnahme gewünscht. Zum Glück stimmte die Chemie zwischen dem Orchester und mir.

Was schätzen Sie an der Kammermusik besonders?

Nicht nur das wunderbare Repertoire. Ich liebe es, mit anderen Musikern in einen Dialog zu treten, ihre Ideen aufzunehmen und weiterzuentwickeln. Wenn dabei der Funke überspringt, fühle ich mich beim Spielen völlig frei. Das gelingt mir vor allem mit dem Bratschisten Maxim Rysanov und dem Cellisten Torleif Thedéen, mit denen ich ein Trio gegründet habe. Wir können musikalisch extrem in die Tiefe gehen und müssen nicht bei jedem Treffen von vorn anfangen.

Haben Sie deshalb mit den beiden Ihre Bach-CD aufgenommen?

Das lag einfach auf der Hand, Maxim und Torleif sind für mich fast wie Familienangehörige. Mit dem Ergebnis war ich mehr als zufrieden, zumal wir neue Arrangements der Bach-Inventionen aufgenommen haben. In unserem Spiel offenbart sich unsere Persönlichkeit. Und das ist typisch für Kammermusik.

Sie haben sogar Ihr eigenes Festival ins Leben gerufen.

Das Schöne an meinem Internationalen Kammermusikfestival in Utrecht: Ich kann dort mein eigenes Programm machen und all die Musiker einladen, die ich wirklich mag. Für mich ist das ein bisschen wie eine Party mit guten Freunden. 


Entschädigt Sie das für die einsamen Momente während einer Tournee?

Wenn ich nach einem Konzert allein im Hotelzimmer sitze, möchte ich meine Gefühle mit meiner Familie, mit Freunden teilen. Gott sei Dank gibt es Skype. Dabei kann ich meinen Gesprächspartner sogar sehen und fühle mich nicht mehr so weit weg.

Kann man einem Instrument eigentlich ebenso nahe stehen wie einem Menschen?

Schwer zu sagen. Meine Geige ist für mich weder eine Sache noch eine Person. Womöglich könnte man sie als Verlängerung meines Arms betrachten. Ohne mein Instrument ist mir nämlich die Bühne fremd. Ich weiß einfach nicht wohin mit meinen Händen.

Und was empfinden Sie, wenn Sie Ihre Stradivari in Ihrer Nähe haben?

Weil sie eine sehr wertvolle Geige ist, gehe ich recht vorsichtig mit ihr um. Aber ich bin nicht besessen von dem Gedanken, dass ihr oder aber meinen Fingern etwas passieren könnte. Solche Ängste hemmen bloß. Sie treiben einen förmlich in eine Katastrophe. Davor will ich mich ganz bewusst schützen.

Beschäftigen Sie sich lieber mit der Historie Ihres Instruments?

Ja, denn sie ist wahrlich faszinierend. Meine Geige stammt aus dem Jahr 1727. Um 1900 hat sie der französische Botschafter Barrere gekauft, von ihm hat sie ihren Namen. Später dann hat Louis Kaufman für die Filmmusik zu Vom Winde verweht sämtliche Soli auf ihr gespielt. Und vor mir gehörte sie gut 40 Jahre lang Steven Staryk, dem Konzertmeister des Chicago Symphony Orchestra.

Warum ist diese Stradivari perfekt für Sie?

Ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was ich haben möchte: einen vielseitigen Klang, der es mir ermöglicht, Musik aus allen Jahrhunderten zu interpretieren. Gerade das bietet mir die Barrere.

Gab es für Sie je eine Alternative zur Geige?

Ehrlich gesagt war sie gar nicht meine erste Wahl. Als Mädchen wollte ich Cello-Unterricht nehmen, wie mein großer Bruder. Allerdings haben meine Eltern meinen Elan gebremst. Sie hatten wohl im Hinterkopf, dass daheim noch eine Geigerin fehlte. (lacht)

War es ein Geschenk für Sie, aus einer Musikerfamilie zu kommen?

Zumindest hat es die Dinge erleichtert. Meine Eltern haben mir nie Steine in den Weg gelegt, ganz im Gegenteil. Sie haben mich unterstützt, wo sie nur konnten. Dank meiner Mutter habe ich nie die Lust am Üben verloren. Mein Vater wiederum war derjenige, der mich an viele Brahms- oder Mozartwerke herangeführt hat.

Bis Sie selber Musikerin wurden?

Das empfand ich als einen ganz natürlichen Schritt. Um mich herum war ja ständig Musik. Insofern kam es mir gar nicht in den Sinn, einen anderen Beruf zu ergreifen.

Wäre ein Leben ohne Musik für Sie vorstellbar?

Es gibt durchaus Phasen, in denen ich meine Geige mal eine Weile beiseite lege. Solche Auszeiten sind unglaublich kostbar für mich. Manchmal brauche ich einfach eine Distanz zu meinem Instrument, sonst würde ich irgendwann meine künstlerische Kraft verlieren.

Obwohl Sie als Energiebündel gelten?

Sie erwarten hoffentlich nicht, dass ich mich selbst analysiere. Das liegt mir nicht. Klar, beim Musizieren gebe ich alles, meine Energie, meine Emotionen. Am liebsten folge ich meiner Intuition. Ich war nie eine Rationalistin. Für mich zählt in erster Linie die Magie der Musik. Und die wird bloß zerstört, wenn man zu viel hinterfragt oder etwa nur noch um sich kreist.

Trotzdem scheint sich jeder Klassikkünstler heutzutage mit einem passenden Image vermarkten zu müssen.

Ach, ich sehe nichts Verwerfliches darin, ein hübsches Foto auf meinem CD-Cover zu haben. Es wäre doch schade, eine schöne Einspielung nicht entsprechend zu verpacken. Natürlich darf die Musik dabei nicht in den Hintergrund rücken, sie muss immer das wichtigste bleiben.

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"Unser Spiel offenbart unsere Persönlichkeit"

Die Geigerin Janine Jansen über die Faszination der Kammermusik, Spontaneität auf der Bühne und die Verlängerung ihres Arms

von Dagmar Leischow

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TERMIN-TIPP

Freitag, 18. Mai 2012, 20:00 Uhr

Konzerthaus, Dortmund

Janine Jansen & Friends

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