Eröffnungskonzert der Bach-Wochen am Hamburger Michel

Wie Mendelssohn den Thomaskantor wiederbelebte

Die Eröffnung der Bach-Wochen steht im Zeichen des Reformationsjubiläums

Chor St. Michaelis © Michael Zapf

Chor St. Michaelis

Chor St. Michaelis © Michael Zapf

Unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Christoph Schoener werden Ende Oktober die diesjährigen Bach-Wochen an St. Michaelis mit einem Komponisten eröffnet, der im 19. Jahrhundert die Bach-Renaissance begründete: Felix Mendelssohn Bartholdy. Das ist nur konsequent, wenn man bedenkt, dass ohne den jungen Mendelssohn und seinen Lehrer Carl Friedrich Zelter die Musik Bachs vielleicht für immer in der Versenkung geblieben wäre, da sie nach dessen Tod nicht mehr dem neuen, „empfindsamen Stil“ entsprach.

Gut hundert Jahre nach der Erstaufführung von Bachs „Matthäuspassion“ fand 1829 die erste Wiederaufführung nach seinem Ableben mit der Singakademie zu Berlin statt. Mendelssohn selbst saß am Hammerklavier, da keine Orgel zur Verfügung stand. Sein Einsatz für die Werke des Komponisten mündete 1850 in der Gründung der Bach-Gesellschaft Leipzig – ein Glück, denn so hielt die Begeisterung für Bachs Musik bis zum heutigenTage an.

Musikalisches Denkmal für Bach und Luther

Die Hauptkirche St. Michaelis etwa würdigt den Komponisten jeden Herbst mit zahlreichen Konzerten. In diesem Jahr steht das Programm des Eröffnungskonzerts im Zeichen des Reformationsjubiläums. Neben der Sinfoniekantate „Lobgesang“ erklingt Mendelssohns „Reformations-Sinfonie“, mit der der Komponist sowohl dem Reformator Martin Luther und dem Protestantismus als auch der Musik Bachs ein musikalisches Denkmal setzte. 1830 als „Symphonie zur Feier der Kirchen-Revolution“ komponiert, ehrt der protestantisch getaufte Mendelssohn mit seiner Musik den 300. Geburtstag der Augsburger Konfession, seinerzeit das grundlegende Bekenntnis zur lutherischen Kirche.

Entstanden ist ein kirchenmusikalisches Manifest, durchzogen von sakralen Elementen, vor allem regten ihn die Kirchenlieder Luthers an, die auch häufig bei Bach Verwendung fanden. Angelehnt an den großen Thomaskantor ließ der junge Felix Mendelssohn zum krönenden Abschluss seiner Sinfonie einen der bekanntesten Luther-Choräle hymnisch in den vierten Satz einfließen. Und doch scheint es, als wären Mendelssohns Ansprüche an sich selbst zu hoch gesetzt: Das Werk wurde erst posthum als Sinfonie Nr. 5 veröffentlicht, da Mendelssohn sich zu Lebzeiten nicht zur Drucklegung entschließen konnte.

concerti-Tipp:

Eröffnungskonzert der Bach-Wochen an St. Michaelis
Mo. 30.10., 20:00 Uhr
Mitwirkende: Chen Reiss, Bettina Pahn, Werner Güra, Chor St. Michaelis, Concerto con Anima, Christoph Schoener (Leitung)
Ort: Hauptkirche St. Michaelis Hamburg

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