Festival

Als würden die Stimmen vom Fluss getragen

Bei RheinVokal treffen Meistersänger auf Spitzenchöre und Alte-Musik-Ensembles

Rheinschleife bei Boppard © shutterstock

Rheinschleife bei Boppard

Wie Perlen reihen sich am Mittelrhein die historischen Städte und Kirchen mit ihrer prachtvollen Akustik und ihrem inspirierenden Ambiente aneinander, laden ein zu mystischer Versenkung in der Klosterkirche Maria Laach mit den klaren Stimmen eines estnischen Chores oder in der romanischen Basilika St. Kastor in Koblenz mit Mozarts Requiem. Es sind Räume, in denen sich Stimmen oder Barockinstrumente wunderbar entfalten können. Für sieben Wochen vereint das Festival RheinVokal deshalb zum dreizehnten Mal Meistersänger, Spitzenchöre und Alte-Musik-Ensembles.

500 Jahre Reformation schlagen sich, allerdings konfessionsübergreifend, auch im Programm nieder, etwa wenn Klaus Mertens Luther’sche Choralsätze von Telemann in der prächtigen (katholischen) Barockkirche St. Pankratius in Boppard interpretiert, oder Johann Sebastian Bach auf den in Dresden wirkenden Böhmen Jan Dismas Zelenka trifft. Begegnungen, spannungsreiche Kontraste, Zeitsprünge vermitteln auch andere Konzerte: der österreichische Komponist Georg Friedrich Haas errichtete sieben Klangräume zu den Sätzen von Mozarts Requiem, das SWR Vokalensemble singt dazu eine Messiaen-Bearbeitung von Clytus Gottwald.

odhecaton

Ensemble Odhecaton © Marco Caselli Nirmal

RheinVokal: Sieben Wochen Stimmkunst

Beim italienischen Ensemble Odhecaton und seinen „Latin Prayers“ treffen die Tenebrae-Responsorien von Gesualdo auf Gesänge von Sciarrino, Pärt und Scelsi – wer „moderner“ in seiner Tonsprache ist, lässt sich kaum sagen! Die lautten compagney Berlin feiert Claudio Monteverdis 450. Geburtstag auf die ihr eigene fantasievolle Weise, gemeinsam mit der Sopranistin Hanna Herfurtner und einer Auswahl von Gesängen aus Selva morale e spirituale: geistliche Musik im weltlichen Gewand, zur Freude der Venezianer ebenso wie der der Hörer in Boppard.

Doch im Land der Loreley und ihrem goldenen Kamm darf auch die klassische Liedkunst nicht fehlen: Christoph Prégardien eröffnet mit Schuberts Winterreise, begleitet von einem Bläserquintett und als Bariton angekündigt. Juliane Banse verzaubert die Sommernacht mit den entsprechenden Orchesterliedern „Nuits d’été“ von Hector Berlioz. Stimmkunst pur sieben Wochen lang!

Christoph Prégardien singt Schuberts „Winterreise“:

Die Festivaldaten im Überblick:

RheinVokal
Zeitraum: 30.6.–20.8.2017
Mitwirkende: Christoph Prégardien, Juliane Banse, SWR Vokalensemble, lautten compagney Berlin u. a.
Orte: Koblenz, Neuwied, Boppard u. a.

Rezensionen

CD-Rezension Christoph Prégardien

Höhenprobleme

Leider kann Christoph Prégardien seine Engpässe in der Höhe nicht sängergestalterisch ausgleichen weiter

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