Fesitvalguide Niedersächsische Musiktage

Typisch Niedersachsen!

In aller Bescheidenheit mauserten sich die Niedersächsische Musiktage zu einem Reigen origineller Konzertformate

Niedersächsische Musiktage © Christian Burkert

Niedersächsische Musiktage

Die Niedersächsischen Musiktage in der Rubrik „Festivals“ einzuordnen, widerspricht in gewisser Hinsicht dem Wesen dieser Veranstaltungsreihe. Es kommt nämlich nicht von ungefähr, dass man sich im bodenständigen und generell eher bescheiden auftretenden Niedersachsen weder „Festival“ noch „Festspiele“ nennt. Den Anspruch erhebt man nicht. Grundsätzlich geht es bei diesem musikalischen Marathon nämlich weniger darum, ausschließlich Hochglanz-Musiker einzuladen. Vielmehr will man besonders originelle Konzerte über das ganze weitläufige Land verteilt auf einem Niveau anbieten, das die örtlichen Veranstalter zumeist alleine nicht erreichen könnten. Und niedrigschwellig sollen diese Konzerte sein, natürlich.

Niedersächsische Musiktage: „Raum“ als Motto

Hinter den Niedersächsischen Musiktagen steht die Sparkassenstiftung des Bundeslandes. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kultur ins Land zu bringen. Die Festivalleitung stellt zu diesem Zweck Veranstaltungen unterschiedlichster Art zusammen, die dann von den Partnerbanken im Bundesland angefragt werden. Dabei ist es grundsätzlich auch gewünscht, dass eine Formation mehr als einmal im Bundesland im Rahmen der Musiktage mit dem gleichen Programm auftritt. Natürlich gibt es auch speziell für einzelne Orte entwickelte Konzertformate, die in langfristiger Absprache mit einzelnen Ko-Produzenten entstehen oder die einer ortsunabhängigen konzeptionellen Idee der Intendantin Katrin Zagrosek entspringen.

Katrin Zagrosek

Katrin Zagrosek © Helge Krückeberg

Die studierte Musikwissenschaftlerin hat die klar vorgezeichnete Linie ihres erfolgreichen Vorgängers Markus Fein bisher konsequent weiterverfolgt. Korrekturen nahm sie nur insofern vor, als sie zwar neue populäre Konzertformate entwickelte, dabei aber nicht so stark in der inhaltlichen Gestaltung der Programme auf klassikfernes Publikum eingeht, wie das ihr Vorgänger tat. Sie versucht, weniger Populäres und ungewohnte Töne durch die Art und Weise der Präsentation besonders attraktiv zu machen. So gab es schon musikalische Radtouren oder Aufführungen an ungewöhnlichen Orten. Und über allem steht schon seit vielen Jahren immer ein Motto – in diesem Jahr lautet es „Raum“.

Alphörner im Norden und klingende Landschaften

Zu verstehen ist dieses Motto in einem doppelten Sinn: Zum einen wollen die Veranstalter neue Räume für Musik gewinnen. Gleichzeitig sollen aber auch Kompositionen früherer Zeiten, die damals für ganz bestimmte historische Orte geschrieben wurden, in heutigen Räumen erfahrbar gemacht werden, etwa in den beiden Libeskind-Bauten in Osnabrück und Lüneburg. Oder bei einem Wandelkonzert zwischen dem Celler Hafen und einer historischen Maschinenhalle. Auch eine Alphornmusik in einer Allee mit 670 Linden in der Nähe von Hildesheim ist angekündigt. Als Musik für einen ganz besonderen Raum darf man die Messe für den riesigen Salzburger Dom von Franz Biber ansehen, die in Bremerhaven und Hannover aufgeführt werden soll.

Niedersächsische Musiktage

Niedersächsische Musiktage © Helge Krückeberg

Neben diesem Aspekt des Musiktage-Mottos sollen die Veranstalter den Künstlern einen besonders großzügig bemessenen geistigen Freiraum zur eigenen Entfaltung ermöglichen, so auch beim Eröffnungswochenende mit Daniel Ott. Der Schweizer Komponist hat bereits mehrfach mit großen Klanginstallationen Aufsehen erregt und legt nun seine neueste Komposition Landschaftsmusik vor, für die er sich von den Geräuschen der Landschaft Niedersachsens inspirieren ließ. Dabei erstreckt sich der Aufführungsort über den Mittellandkanal und das Gelände der Varusschlacht. Eleganter kann man das diesjährige Motto kaum einlösen.

Ein paar Impressionen von den Niedersächsischen Musiktagen:

Die Festival-Daten im Überblick:

Niedersächsische Musiktage
Zeitraum: 2.9. – 1.10.2017
Mitwirkende: clair-obscur, ChorWerk Ruhr, Jörg Widmann, Daniel Behle, Elbtonal Percussion, Avi Avital, Barokksolistene u. a.
Ort: Hannover, Osnabrück, Bramsche, Verden, Meppen u. a.

Auch interessant

Blind gehört Daniel Behle

„Eine tolle Inspiration“

Der Tenor Daniel Behle hört und kommentiert CDs seiner Kollegen, ohne dass er erfährt, wer singt. weiter

Interview Daniel Behle

„Bach war auch nur ein Mensch“

Der Tenor Daniel Behle über den berühmten Thomaskantor, Operetten und die Gesangsausbildung bei seiner Mutter weiter

PORTRÄT daniel behle

Auf Wunderlichs Spuren

Der Tenor Daniel Behle schließt eine Lücke weiter

Rezensionen

CD-Rezension Daniel Behle – Schubert: Arien & Ouvertüren

Feine Nuancen

Daniel Behle schafft es mit seinem durchaus farbreichen Tenor, Schuberts Helden feine und feinste Klangnuancen abzugewinnen weiter

CD-Rezension Mein Hamburg – Daniel Behle & Schnyder Trio

Sehnsüchtig

Der Tenor Daniel Behle verbeugt sich vor seiner Heimatstadt weiter

CD-Rezension Daniel Behle

Schubert aus anderer Perspektive

Daniel Behle singt und bearbeitet Schuberts Winterreise gekonnt und das Oliver Schnyder Trio spielt großartig weiter

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *