Kurz gefragt Sharon Kam

„Wir sollten alle ein bisschen Waldorf werden“

Seit Sharon Kam die Gedanken der Anthroposophie kennengelernt hat, begeistert sich die Israelin für diese besondere Form der Pädagogik. Hier spricht sie über...

Sharon Kam © Maike Helbig

Sharon Kam

… Kinder und Karriere

Die Reihenfolge ist richtig: Kinder und Karriere – und nicht Karriere und Kinder. Für mich wäre Karriere ohne Kinder undenkbar, auch wenn es schon ein sehr komischer Beruf ist mit ständig wechselnde Bezugspersonen für die Kinder zuhause. Dennoch sollte immer klar bleiben, wie wichtig eine Mama ist – oder eben auch eine Frau, eine Tochter, eine Schwester: Denn das ist einfach das Wahre im Leben.

… Musikerehen

Funktionieren meiner Meinung nach viel besser, wenn die Musikfelder nicht unmittelbar miteinander verknüpft sind. Unsere Ehe (Kam ist verheiratet mit dem Dirigenten Gregor Bühl) besteht seit 21 Jahren, und wir haben uns immer in sehr unterschiedlichen Kreisen bewegt. Das ist ideal, da wir so die Musikwelt des anderen bewundern, aber auch offen Kritik üben und voneinander lernen können – und doch gleichzeitig unsere Leidenschaft für die Musik miteinander teilen.

… Oper

Seit wir verheiratet sind, lebe ich quasi in der Oper, höre Opern und kenne die ganzen Geschichten. Als ich nach Deutschland kam, war das noch anders: Da saß ich an einem Tisch mit Sängern, Korrepetitoren und Dirigenten und die amüsierten sich über irgendwelche Bühnengeschichten oder sangen sich gegenseitig kleine Opernpassagen vor – und ich hatte keine Ahnung, was da passierte.

… Waldorfpädagogik

Für uns seit vier Jahren eine Neuentdeckung. Unser drittes Kind ist in einen Waldorfkindergarten gegangen und diese Pädagogik hat uns bereichert. Ich wünschte, ich hätte sie schon vor 20 Jahren kennengelernt – und dass sie generell in unser Leben „einfließen“ könnte: dass wir alle ein bisschen Waldorf werden und lernen, wie wir mit unseren Schätzen, unserem Leben und unseren Wurzeln umgehen.

… Hannover

Eine wunderbare Stadt, in der es sich wunderbar lebt! Nirgendwo in der Welt hätte ich so gut Karriere und Familie verbinden können: Man fährt weniger als eine Stunde vor dem Abflug von zuhause weg, kann auf dem Weg zum Flughafen noch ein Kind in die Schule bringen und checkt dann direkt am Gate ein.

… Konzertkritiker

Inzwischen habe ich mich mit Konzertkritikern angefreundet – ja, ich glaube, ich bin vom zu kritisierenden Künstler zu ihrem Berater aufgestiegen. Jahrelang haben sie versucht, mich wegzuschreiben, nun bin ich nicht mehr wegzukriegen und jetzt ist alles wunderbar. Wohl auch, weil ich das alles nicht mehr so ernst nehme: Konzertkritiken sind nur eine Meinung.

… Naher Osten

Der erste Gedanke ist Heimat und Israel. Doch zur Zeit sind es natürlich andere Themen, die die Schlagzeilen aus dieser Region bestimmen: Anschläge, Kriege und Flüchtlinge. Der Nahe Osten ist eigentlich ein wunderbarer Fleck dieser Erde, ein Schatz mit einer unglaublichen Vergangenheit, aus der sich so viel lernen ließe; insofern tut es mir jeden Tag leid, dass es dort keinen Frieden gibt und stattdessen der Schmerz beim Gedanken an diese Region das bestimmende Gefühl ist.

… Preise und Wettbewerbe

Sind wichtig für einen Karriereanfang, weil man sonst nicht vom Fleck kommt – das ist ein bisschen wie mit der Waschmittelreklame: Immer wenn wir Persil sehen, werden wir einen Geruch und ein Gesicht damit verbinden und dann kaufen wir es …

… Brotkrümel

An den Brotkrümeln unterm Tisch erkennt man bei uns sehr gut, wer wo sitzt … Zwar würde man bei einem 18-Jährigen und einer 15-Jährigen vermuten, das seien schon fast zwei Erwachsene, doch auch unter dem Platz der 18-Jährigen gibt es Krümel … aber vermehrt natürlich bei der Sechsjährigen.

CD-Tipp

Brahms: Klarinettenquintett op.115 & Reger: Klarinettenquintett op. 146
Sharon Kam, Isabelle van Keulen, Volker Jacobsen u. a.
Berlin Classics

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