Dresden: Gesprächskonzerte mit Stefan Mickisch

Wo sitzen denn nun eigentlich die Götter?

In vier Gesprächskonzerten widmet sich Stefan Mickisch Wagners „Ring des Nibelungen“

Stefan Mickisch am Klavier © Helmut Pangerl

Stefan Mickisch am Klavier

„Waren Sie schon bei Mickisch?“, hieß es jahrelang zur Festspielzeit in Bayreuth, denn die „Gesprächskonzerte“ des Schwandorfer Pianisten und Wagner-Experten Stefan Mickisch waren Kult. Bei Mickisch erfuhr man am Vormittag des Spieltags Dinge, die nur in Bayreuth den eingefleischten Wagner-Fan interessieren. Etwa: Wie viele Reiter gibt es im „Ring des Nibelungen“, wo genau am Rhein sitzen die Götter im „Rheingold“, wo liegt der Felsen der Brünnhilde?

Jedes Detail von Wagners Leben und seinem Werk hat er im Kopf, jede Liebschaft des Komponisten, aber auch jede Tonart, jedes Leitmotiv, das er unterhaltsam am Flügel vorführt, es benennt und mit anderen assoziiert, vergleicht oder vernetzt, so dass stets ein Aha-Effekt eintritt und die außerordentliche Kompositionstechnik Richard Wagners zu Tage tritt.

2013 schoss Stefan Mickisch übers Ziel hinaus

Mickisch versteht es, interessierten Menschen komplizierte Zusammenhänge nahe zu bringen, sogar den „Tristanakkord“, ohne dass man dafür manches Semester der Musikwissenschaft studiert haben muss. Und das ist selten in Deutschland. 2013 allerdings schoss er, der den Antisemitismus „seines“ Komponisten stets verharmloste, über das Ziel hinaus.

„Ein Wagner-Kenner läuft Amok“, schrieb der Nordbayerische Kurier über das Pamphlet, das er im Oktober 2013 auf seiner Website veröffentlichte. „Wurden nach 1945 die Schäferhunde abgeschafft, weil diese Adolf Hitlers Lieblingshunde waren?“, polemisierte er dort. Und: „Warum sollen Wagnerhörer heute ein schlechtes Gewissen haben, während VW- und Audi-Fahrer mit erhobener unwissender Rübe durch die Gegend kurven?“

Mickisch in Dresden

Solche Aussagen erweitern nicht unbedingt den Freundeskreis, auch nicht das Statement beim SFR: „Ich spiele Wagners Musik am liebsten selbst, weil mir kaum ein Dirigent, ehrlich gesagt heute gar keiner, hier musikalisch genügen kann.“

Christian Thielemann dürfte darüber stehen. Wenn er 2018 mit dem „Ring des Nibelungen“ in der Inszenierung von Willy Decker auf die Bühne der Semperoper Dresden zurückkehrt, wird Mickisch Werkeinführungen abhalten. Vielleicht auch, weil er so schöne Sätze über das Werk sagt wie diesen. „Das Schöpferische und die Liebe bezwingen die destruktiven Kräfte der Welt.“

Stefan Mickisch über seine Arbeit:

concerti-Tipp:

Gesprächskonzerte zu Wagners Opern
So. 28.1., 19 Uhr (Rheingold)
Di. 30.1., 11 Uhr (Walküre)
Mi. 31.1., 19 Uhr (Siegfried)
Fr. 3.2., 19 Uhr (Götterdämmerung)
Mit: Stefan Mickisch
Ort: Dreikönigskirche (Festsaal), Dresden

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