Musik-Streaming: idagio

Einfach mal „reinhören“

idagio ist die erste digitale Plattform für Musik-Streaming im Klassikbereich. Auch das WDR Sinfonieorchester unter Leitung des finnischen Dirigenten Jukka-Pekka-Saraste hat den Dienst für sich entdeckt

Streaming idagio © shutterstock/idagio GmbH

Streaming idagio

Streaming idagio © shutterstock/idagio GmbH

idagio für iOS

idagio für iOS © idagio GmbH

Sie sind en vogue. Und wirklich ausgesprochen praktisch. Streaming-Portale haben den entscheidenden Vorteil, dass sie Sammlungen von Aufnahmen und Mitschnitten anbieten, die man vielleicht nicht zwingend auf CD braucht, in welche man aber gerne „reinhören“ möchte. Ob dabei zum Dinner, bei einem guten Glas Rotwein, in der S-Bahn oder vielleicht sogar beim Gemüseschnippel in der Küche – nie scheint es einfacher gewesen zu sein, die eigene Wunschmusik zu hören und dabei von überall aus Zugriff auf ein schier unendliches Angebot zu haben. Kein vorgegebenes Programm, das die eigene Wahl reglementiert. Keine CDs, die die Tasche schwer werden und das Regal überquellen lassen. Schwarz auf weiß bezeugen nicht zuletzt die rasant wachsenden Zahlen der Streaming-Abonnenten ihre Popularität: Laut einem Beitrag des Deutschlandfunks wuchs diese im Jahr 2016 um stattliche 106 Prozent.

Im Netz Fuß gefasst

idagio heißt die erste digitale Plattform für klassische Musik, die seit August 2015 auf dem Markt ist. Für monatlich 7,99 Euro in der Premium-Version können Aufnahmen von Weltklasse-Musikern und -Orchestern sowohl on- als auch offline gestreamt werden.

Sicherlich, so ein mancher wird raunen, dass im Zeitalter von Spotify & Co. Streaming keine bahnbrechende Neuigkeit mehr ist, vermutlich ebenso wenig wie der Diskurs darüber, dass derartige Dienste die Liveperformance von Künstlern obsolet werden lassen. Während sich aber die große Mehrheit unter den Dienstleistern auf Popmusik spezialisiert hat und ein buntes Potpourri verschiedenster Musikrichtungen anbietet, von welchen die Klassik lediglich ein kleines Segment bildet, fokussiert sich der Streaming-Dienst idagio ausschließlich auf klassisches Repertoire. Und das hat seinen Reiz.

idagio für mac

idagio für den Browser: Playlist © idagio GmbH

Beachtlich ist zunächst die Qualität der Aufnahmen, die in verlustfrei komprimierte FLAC-Dateien umgewandelt werden, dicht gefolgt vom kuratierten Repertoire, das sich mit derzeit über 30.000 Aufnahmen sehen lassen kann. Von Karajan bis Harnoncourt, von den Berliner Philharmonikern bis zum Orchestra del Teatro alla Scala di Milano – neben dem Online-Katalog lässt sich das Angebot mit speziellen Filterfunktionen leicht nach Komponisten, Orchestern, Epochen und Instrumenten sortieren, wöchentlich erscheinende Playlists machen Lust Neues zu entdecken und mittels der Vergleichsfunktion lassen sich verschiedene Aufnahmen eines Werkes unmittelbar gegenüberstellen. Ein weiterer Pluspunkt: Bis zu 70 % des monatlichen Beitrags landen direkt bei den gehörten Musikern.

Hörmarathon mit Saraste

WDR Sinfonieorchester Köln mit Jukka-Pekka Saraste

WDR Sinfonieorchester Köln mit Jukka-Pekka Saraste © Thomas Kost/WDR

Auch das WDR Sinfonieorchester Köln unter Leitung des finnischen Dirigent Jukka-Pekka Saraste hat den Mehrwert des Streamings für sich erkannt und auf idagio zwanzig Aufnahmen veröffentlicht. Dabei handelt es sich um Live-Einspielungen aus der Kölner Philharmonie sowie von Tour-Darbietungen des Orchesters, etwa im Großen Festspielhaus in Salzburg. Neben dem traditionellen Repertoire mit Sinfonik von Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Franz Schubert findet man auch Werke des Dänen Carl Nielsen und von Sarastes Landsmann Jean Sibelius.


Übrigens: Auch eine kostenlose Streaming-Variante wird bei idagio angeboten. Die ist allerdings in geringerer Audio-Qualität, ohne den Offline-Modus zum Speichern von Aufnahmen und lediglich unter beschränkten Zugriff auf den Katalog verfügbar. Zudem ist idagio-App bis dato ausschließlich für iPhone und iPad erhältlich.

Gut gestreamt?

Segen oder Fluch? Wie denken Sie über Streaming-Portale? Verraten Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren!

Auch interessant

Jugend musiziert

Zukunftsmusik

Der Wettbewerb Jugend musiziert wird meist als Talentschmiede für die Musiker von morgen angesehen, doch ist er weit mehr als das weiter

Fernsehtipp: Mahlers Dritte auf 3sat

Ein Stück Welt auf Papier gebannt

Jukka-Pekka Saraste nimmt sich mit Sinfonieorchester und Chor des WDR Gustav Mahlers 3. Sinfonie an. Wiebke Lehmkuhl ist Solistin des Abends weiter

Blind gehört Jukka-Pekka Saraste

„Chapeau! Das ist ein wahnsinniges Tempo“

Der Dirigent Jukka-Pekka Saraste hört und kommentiert CDs von Kollegen, ohne dass er erfährt, wer spielt weiter

Rezensionen

Kalman: Die Bajadere

Treffsicher

Kálmáns Operettenrarität zündet dank espritgeladenen Dirigats und famoser Hauptdarstellerin weiter

CD-Rezension Bruckners Achte mit Jukka-Pekka Saraste

Blick aufs Tempo

Jukka-Pekka Saraste und das WDR Sinfonieorchester deuten Anton Bruckners achte Sinfonie entschlossen weiter

CD-Rezension Herbert Schuch

Unroutiniert

Er geht den Beethoven bedächtig an, jede Phrase wirkt gut überlegt. Etwas Eigenes soll hier erklingen, nicht das, was schon tausend Mal erklang. Herbert Schuch ist fern aller Routine, die andere Pianisten seines Alters bedauerlicherweise schon abspulen können. Für seine… weiter

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *