Zehn Jahre La Folia Barockorchester

Wer wagt, gewinnt

2007 gründete sich das La Folia Barockorchester mit dem Ziel, sich von musikalischen Zwängen zu befreien. Heute gehört es zu den wichtigsten Alte-Musik-Ensembles

La Folia Barockorchester © Martin Förster

La Folia Barockorchester

„La Folia“ steht in der Barockzeit für eine Form, die wildes und kühnes Spiel mit großer Freiheit zur Kreativität erlaubt. Das La Folia Barockorchester hat sich diese Idee für sein Spiel auf die Fahnen geschrieben, und alleine schon die Ensemblegründung 2007 sprach für Kühnheit. Robin Peter Müller, Ensembleleiter und –gründer, hatte bereits mit Anfang zwanzig eine bemerkenswerte Karriere im Klassik-Bereich gemacht und stand nun – mit fester Stelle – vor der Frage: War das schon alles? So wagte er den Sprung ins kalte Wasser und gründete 2007 gemeinsam mit befreundeten Musikern das La Folia Barockorchester, um mit diesem seine Vorstellung von befreitem Spiel und anderen Herangehensweisen an die Musik des Barock umsetzen zu können.

Vielleicht war es sogar eine glückliche Fügung, dass das Orchester ganz zu Beginn noch ohne Projekte dastand, denn so blieb ihm die Möglichkeit, sich ohne äußere Einflüsse und Verpflichtungen zu überlegen, was denn nun ihr Ensemble ausmachen sollte. In enger Zusammenarbeit haben die Musiker ihre ganz eigene Art des Musizierens entwickelt und sind dabei noch stärker zusammengewachsen. Bis heute besetzt der Kern des Orchesters erste Pulte, weitere Mitspieler werden sorgfältig ausgewählt.

Interpretationen, die nicht wehtun, braucht niemand

Seit seiner Gründung hat das Ensemble mit Programmen sowohl Altbekanntes und Vertrautes neu interpretiert, aber auch mit wiederentdeckten musikalischen Schätzen national und international Karriere gemacht. Die Interpretationen des Ensembles polarisieren mitunter, aber dazu stehen Musiker und Management: „Machen wir uns nichts vor: Es gibt zahlreiche hochkarätige Alte-Musik-Ensembles. Um also bestehen zu können, muss man eine Position einnehmen. Natürlich bringt das auch mit sich, dass es oft heißt: ganz oder gar nicht. Aber der Erfolg der letzten Jahre zeigt, dass wir damit richtig liegen. Interpretationen, die nicht wehtun und nichts auslösen, braucht man nicht“, so Oliver Geisler, der seit 2015 der Manager des La Folia Barockorchesters ist.

Robin Peter Müller

Robin Peter Müller, Gründer und Leiter des Barockorchesters La Folia © Martin Förster

Verkörpert wird die spezifische Musizierweise des Orchesters durch seinen künstlerischen Leiter: Müllers Ton ist rauer, Spielfreude ist das vorherrschende Element, und auch „Klassiker“ der Barockmusik wie beispielsweise Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ erhalten einen neuen Anstrich. „Ich habe noch kein einziges Konzert erlebt, das einfach nur abgeliefert und routiniert wirkt“, so Geisler. Er ist selber auch Dramaturg des „Musikfestes Erzgebirge“ und hat somit auch die Außenperspektive eines Veranstalters: „Für mich sind es das höchste technische Können einer jungen Musikergeneration, die große Lust an Interpretation und die Risikofreude, die La Folia ausmachen. Es ist pure Energie im allerbesten Sinne.“

Zehn Jahre La Folia Barockorchester

Das zehnjährige Jubiläum des Barockorchesters begehen die Musiker mit zahlreichen spannenden Projekten: Gemeinsame Konzerte und Aufnahmen mit Regula Mühlemann, Dorothee Mields und Hille Perl sind eine weitere Bestätigung der großartigen Karriere des Ensembles. Spannend ist auch die Aufnahme „Anonymus“, auf der verloren geglaubte musikalische Schätze vom Dresdner Hof erklingen. Gefunden wurden die Kompositionen im „Schrank No. II“ und haben – versteckt hinter der Orgel der Dresdner Hofkirche – so manchen Brand überstanden. Müller und Geisler, die beide in Dresden verankert sind, widmen sich sehr gerne dem reichen Musikschatz ihrer Heimat. „In diesem Fall haben wir ganz bewusst gar nicht erst den Versuch unternommen, die Autoren der einzelnen Stücke herauszufinden“, so Geisler. „Wir wollen alle Schranken fallen lassen und das Publikum zum Hören ohne jede Erwartungshaltung animieren.“

Auch sonst kann das an sich risikofreudige Ensemble an seinem zehnten Geburtstag entspannt in die Zukunft blicken: In der kommenden Saison wird es mit dem charismatischen Cembalisten Mahan Esfahani zusammenarbeiten, beim „Musikfest Erzgebirge“ einen Barockzirkus gemeinsam mit dem Zirkus Roncalli auf die Beine stellen sowie Projekte mit dem britischen Vokalensemble Voces 8 mit Werken von Purcell und Händel realisieren. Das La Folia Barockensemble ist eindeutig angekommen in der Riege der hochkarätigen europäischen Barockensembles!

La Folia Barockensemble – ein Blick hinter die Kulissen:

CD-Tipp

Cleopatra - Arien von Graun, Händel, Hasse, Vivaldi u.a.
Regula Mühlemann (Sopran)
La Folia Barockorchester
Sony Classical

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