Orakel am Klavier

CD-Rezension Grigory Sokolov – Mozart & Rachmaninow

Orakel am Klavier

Der Solokünstler: Konzerte mit Orchester gibt Grigory Sokolov seit über zehn Jahren schon nicht mehr. Jetzt können zwei ältere Mitschnitte nachgehört werden

Starrummel ist ihm völlig fremd, Applaus scheint ihn nicht zu beeindrucken. Bei seinen Konzerten verbeugt er sich knapp und geht dann seiner Wege. Ausnahmepianist Grigory Sokolov wirkt bei Auftritten geradezu in einen Kokon eingesponnen. Doch umso emotionaler sind seine musikalischen Äußerungen, seine Interpretationen geraten regelmäßig zu Epiphanien. Studioaufnahmen lehnt er seit langem ab, seit 2005 spielt er auch nicht mehr mit Orchestern, weil er die Probenzeiten als zu kurz empfindet. Die Deutsche Grammophon, der es gelang, Sokolov vor drei Jahren unter Vertrag zu nehmen, veröffentlicht jetzt zwei Konzertmitschnitte: Rachmaninow „3“, London 1995, und Mozarts Nr. 23, Salzburg 2005. Beides vorzüglich. Raritäten. Leicht, duftig, perlend, fein gedrechselt, feurig und frech der Mozart. Mit schnellem Tempo, ekstatisch, aber unfassbar prägnant, unter Starkstrom, der Rachmaninow. Dazu gibt es ein Filmporträt über Sokolov, dem nur teilweise glückt, dem Orakel auf die Spur zu kommen. Denn Interviewern verschließt sich der Künstler.

Sokolov
Mozart: Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur, Rachmaninow: Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30
DVD „A Conversation that never was“

Grigory Sokolov (Klavier), Mahler Chamber Orchestra & Trevor Pinnock (Leitung), BBC Philharmonic & Yan Pascal Tortelier (Leitung)
Deutsche Grammophon

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