Existenzielle Aussprache

CD-Rezension Signum Quartett

Existenzielle Aussprache

Hochgespannt und tiefschürfend: Das Signum Quartett hat drei Komponisten der tschechischen Tradition ausgewählt

Schneidende Akzente, laszive musikantische Phrasen, ein fahles Pianissimo mit dramatischer Dynamikaufwallung, zweiter Anlauf dann im süffigen Walzerrhythmus … Schon der lapidare erste Satz Alla Valse viennese nimmt für sich ein, macht Lust, tiefer in diese Musik einzusteigen: Fünf Stücke für Streichquartett des tschechischen Avantgardisten Erwin Schulhoff, 1942 im KZ Wülzburg in Bayern umgekommen, zu finden auf der neuen CD des Signum Quartett. Im vierten Stück Alla Tango milonga spüren die Musiker mikrotonalen Enfärbungen nach, die unter die Haut gehen. Das Signum Quartett testet die Extreme aus, risikofreudig und eigenwillig. Das ist bei der zu Beginn des Ersten Weltkriegs komponierten Meditation von Josef Suk nicht anders. Und auch bei Suks Schwiegervater Antonín Dvořák werden unter der scheinbaren Idylle die tieferen Schichten verfolgt. Streichquartett als existenzielle Aussprache, hier ist nichts banal.

Alla Czeca –
Schulhoff: Fünf Stücke für Streichquartett WV 68, Suk: Meditation über den Altböhmischen Choral „Der Heilige Wenzel“, Dvořák: Streichquartett G-Dur op. 106

Signum Quartett
Capriccio

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