< Zur Übersicht

19. Oktober 2016 bis 29. Oktober 2016
Festspielhaus Baden-Baden (Baden-Baden)

Tonlagen 2016 – Dresdner Festival der zeitgenössischen Musik

MDR Sinfonieorchester, Kristjan Järvi (Leitung)
Quiet Ensemble
enemble courage
Quatuor Bozzini u. a.

Für die einen ist sie ein rotes Tuch: elitär, abschätzig, überhoben – für die anderen der notwendige Kunstkeil, der in der Geschichte bohrt, aktuelle Fragen stellt, Hörgewohnheiten aufbricht und alles duldet außer Stillstand. Aber was bedeutet zeitgenössische Musik heute überhaupt? Vorbei die Zeiten, als Darmstadt oder Donaueschin-gen vorgaben, was vergöttert oder verdammt gehört. Die Welt ist unübersichtlicher geworden, und die angeblich so realitätsfremde Neue-Musik-Szene hat sich losgelöst von aller Art von Dogmendrescherei. Der Drang, stetig und unbedingt Konventionen aufbrechen zu wollen, führt zwangsläufig irgendwann selbst zu Abnutzungserscheinungen. Zeitgenossen wie Xenakis, Rihm oder Lachenmann sind selbst schon zu Klassikern geworden. Aber auch bei jüngeren Kompositionen zeigt sich: Alles auf Neuartigkeit Geprüfte ähnelt schon mal Dagewesenem, und viele Ideen sind schneller verstanden, als ihre Durchführung endet. Die bange Frage ist: Soll Musik überhaupt wirken oder nur noch rational fortgetrieben werden?

Hurra, es gibt eine Lösung! Inzwischen, so behaupten es jedenfalls die Organisatoren des ruhmreichen Dresdner „Tonlagen“-Festivals für zeitgenössische Musik, flössen die Genregrenzen ineinander: Es gäbe sinfonische Rocker, Elektro-Clubstars oder an Ligeti geschulte Free Jazzer.

Man reibt sich die Augen: Inspirationsquelle neuer Stilrichtungen sei „die neue klassische Musik“, heißt es da. Und so synthetisiert man in Hellerau Elektronik und schamanische Instrumente, schmeißt Klänge und Videos live und in Spontanfarbe ineinander, spannt malawische Traditionals mit Afropop zusammen, mixt Geschrei mit Gurgeln und Kratzen, stellt zusätzlich Projek-tionen und Videos aus und angesagte DJs für die Aftershow ein. Den Höhepunkt der anderthalb Wochen bildet eine Lichtshow, die aus Techno-Impulsen reines Tonleuchten macht. Und schließlich gibt es für eine neues Konzertformat noch ein Versprechen, dessen Gültigkeit geprüft werden darf: „Neue Musik muss nicht anstrengend sein. Die Entspannung des Körpers beim Liegen schärft die Konzentration und das Hörvergnügen.“ Na dann – auf nach Hellerau!

    Kommentare sind geschlossen.