Das Heckelfon

Ein Instrument für den besonderen Klang

Richard Wagner hatte sich so etwas wie das Heckelfon gewünscht, aber seine Vollendung nicht mehr erlebt

Heckelphon im Vergleich zu Oboen © gemeinfrei

Ein Heckelphon im Vergleich zu Oboen © gemeinfrei

Das Heckelfon verdankt seinen Namen seinem Erfinder Wilhelm Heckel. Schon früh hatte sein Vater Johann Adam dafür gesorgt, dass sein Sohn in die Geheimnisse des Instrumentenmacher-Handwerks eingeführt wird. Johann Adam Heckel reformierte in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Klappensystem des Fagotts. Das dabei entwickelte Heckel-System ist bis heute weltweit in Verwendung. Die Firma Wilhelm Heckel ist eine der ältesten Werkstätten für Holzblasinstrumentenbau in Deutschland und stellt seit 1831 in Biebrich bei Wiesbaden bereits in sechster Generation Fagotte, Kontrafagotte und nach wie vor das Heckelfon her.

Ideengeber Richard Wagner

Die Idee für das Heckelfon stammt höchstwahrscheinlich von Richard Wagner. Bei einem Besuch des Komponisten bei Wilhelm Heckel im Jahre 1879 bemerkte er, dass noch ein bestimmter Klangfaktor in der Gattung der Doppelrohrblattinstrumente fehle, welcher eine Oktave tiefer als die Oboe stehen müsse. Dieses Instrument müsse dann den Charakter der Oboe mit dem weichen, aber mächtigen Klang des Alpenhorns verbinden. Daraufhin hat sich Wilhelm Heckel mächtig ins Zeug gelegt und nach einem Vierteljahrhundert des Experimentierens entstand 1904 schließlich das Heckelfon. Diesen Triumph von konnte Richard Wagner leider nicht mehr miterleben. Er starb 1883.

Der Instrumentenbauer Wilhelm Heckel, Erfinder und Namensgeber des Heckelphons

Der Instrumentenbauer Wilhelm Heckel, Erfinder und Namensgeber des Heckelphons © Trompate/Wikimedia Commons

Wilhelm Heckel war zufrieden und stolz auf seine neue Erfindung. In der „Villa Wahnfried“ in Bayreuth stellte er das Heckelfon zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor und startete im September eine regelrechte Werbekampagne. Er ging in Süddeutschland auf Promotion-Tour und reiste sogar bis nach Paris. Wie bereits sein Vater erkannte Wilhelm sofort, dass zur kontinuierlichen Verbesserung eines Instruments auch der intensive sowie persönliche Kontakt zu Musikern, Dirigenten und Komponisten gehörte. Diesen pflegte er unermüdlich, was nicht nur seine vielen Reisen schlussfolgern lassen. Nachdem im November noch die erste Heckelfon-Grifftabelle in Druck ging, konnte die Produktion richtig losgehen.

Kompositionen für das Heckelfon

Das einzige, was jetzt noch fehlte, waren spezielle Kompositionen. Doch dank der vielen Kontakte von Wilhelm Heckel war auch dieses Problem schnell gelöst: Richard Strauss, der es gleich in seiner nächsten Oper „Salome“ einsetzte, Felix Weingartner oder Paul Hindemith waren sofort bereit, für dieses neue Instrument zu komponieren Hinzu kamen später Kompositionen von Hans Werner Henze und Wolfgang Rihm.

Das besondere an dem Instrument ist der Schallbecher. Er hat die gleiche Wölbung wie auch das Englischhorn, den „Liebesfuß“ der Oboe d’amore. Den Abschluss bildet eine perforierte Metallplatte, an der ein kleiner Stachel befestigt ist, damit der Spieler das Instrument auf den Boden stellen kann. Gestimmt ist es in C und steht im Violinschlüssel, klingt aber eine Oktave tiefer als notiert. Auch wenn es das Heckelfon nie zum üblichen Orchesterinstrument geschafft hat, so bezaubert es doch mit seinem obertonreichen, baritonalen und weichen Klang, der der menschlichen Stimme so nahe kommt.

Hindemith: Trio für Klavier, Viola & Heckelfon op. 47: 

Und so funktioniert das Heckelfon:

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