Das Kazoo

Mehr als nur Nervkram

Kleinkinder lieben es, Erwachsene sind vom Klang meist genervt – dabei ist das Kazoo ein durchaus ernstzunehmendes Musikinstrument

Barbara Stewart (Künstlername: Natasha Kaminsky) © John Menihan Jr.

Barbara Stewart (Künstlername: Natasha Kaminsky)

Fast jeder hat schon mal einem Kind ein Kazoo weggenommen, da der grell-quäkende Klang die eigene Geduld auf Dauer überstrapaziert. Aber dieses kleine, meist nur zehn Zentimeter lange, rechteckige Membranofon, das vorne spitz zuläuft, kann durchaus auch angenehme Klänge und nicht nur Krach erzeugen. Es kommt eben darauf an, wie man es spielt – und aus welchem Material es ist.

Die Billigvariante des Kazoos wird aus Plastik hergestellt, was man auch hört: Sobald man in unterschiedlichen Tonhöhen reinsummt oder -singt, entsteht eingangs erwähnter grell-quäkender Klang, den man nicht allzu lange als Zuhörer aushält. Etwas edler (und auch stabiler) kommt da schon das Kazoo aus Metall daher, das nicht mehr ganz so nervig und dafür heller klingt. Am angenehmsten hört sich noch die Luxusvariante aus Holz an mit einer weichen und warmen Klangfarbe.

Ein Membranofon geht um die Welt

Seine Ursprünge hat das Kazoo übrigens in den Vereinigten Staaten. 1883 erhielt Warren Herbert Frost sein Kazoo-Patent. Eine komplette Neuentwicklung war sein Membranofon allerdings nicht, denn in Afrika gibt es ein ähnliches Instrument, das bereits seit Jahrhunderten gespielt wird – aber eben nie patentiert wurde. 1902 wiederum entwickelte George D. Smith das Membranofon von Frost weiter und ließ es erstmals aus Metall anfertigen.

Amerikanische Rhythm Band mit Kazoos, 1936

Amerikanische Rhythm Band mit Kazoos, 1936 © gemeinfrei

Seinen Siegeszug um die Welt trat das Kazoo 1916 an, nachdem die amerikanische Firma Eden die Massenproduktion des Instruments vorantrieb und zuerst vom Wohnzimmer aus und dann in einer eigenen Fabrik bis zu 1,5 Millionen Kazoos im Jahr produzierte.

Weltrekord in der Royal Albert Hall

Um 1900 war das Kazoo als ernstzunehmendes Musikinstrument sehr beliebt. So wurde es etwa im frühen Jazz in Jug-Bands als Melodiestimme eingesetzt. In den zwanziger Jahren formierten sich dann sogar ganze Kazoo-Orchester, für die aber, zumindest im klassischen Bereich, so gut wie keine Stücke geschrieben wurden. Ausnahmen wie etwa das Concerto Grosso für drei Kazoos und Orchester von Robert Hirsch bestätigen die Regel, sind aber nur bedingt ernst zu nehmen. Bis heute arrangieren seriöse Membranofon-Spieler lediglich bekannte klassische Werke für ihr Instrument. Trotzdem gibt es durchaus Kompositionen, in denen auch ein oder mehrere Kazoos vorkommen, wie etwa in Frank Loessers Musical-Hit „How to Succeed in Business Without Really Trying“ aus dem Jahr 1961. Und auch Pink Floyd, Frank Zappa und Ray Dorsel von der Band Mungo Jerry komponierten Songs dafür.

Inzwischen findet das Instrument aber kaum noch Verwendung und ist zu einem musikalischen Gag und Spielzeug für Kinder verkommen, obwohl es immer wieder mehr oder minder ernste Bemühungen gibt, das Kazoo in der Musik wieder populär zu machen. So fand zum Beispiel im März 2011 der Guinness-Rekord für das größte Kazoo-Ensemble der Welt in der Royal Albert Hall statt, wo 3.910 Membranofon-Spieler, die sich aus Profimusikern und dem Publikum zusammensetzen, unter anderem Wagners „Walkürenritt“ tröteten.

Das Concerto Grosso von Robert Hirsch:

Orff als Kazoo-Stück:

Vorbereitung auf den Kazoo-Weltrekord:

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