KLASSIK ZU ROSENMONTAG

Schalk im Nacken

„Helau“ und „Alaaf“ beschränkt sich nicht nur auf Rosenmontag, Umzüge und Büttenreden. Auch in der klassischen Musik steckt närrische Heiterkeit

Maskerade in Bamberg 1837 mit Pierrot, Kolombine und Leander und einem Zauberer © gemeinfrei

Maskerade in Bamberg 1837

Die fünfte Jahreszeit hat begonnen und das bunte Treiben erreicht heute am Rosenmontag wieder einmal seinen Höhepunkt. Für viele der größte Spaß im Jahr – für andere das pure Grauen. Doch wer Fasching oder Karneval nur mit Liedern wie „Viva Colonia“ oder „Am Rosenmontag bin ich geboren“ in Verbindung bringt, hat weit gefehlt. Denn auch in manch einem großen Komponisten der klassischen Musik steckte ein Narr, wie sich ein Blick in deren Werkverzeichnis zeigt.

Walzerklänge am Rosenmontag

Gleich als erstes kommt einem wohl der Walzerkönig Johann Strauss (Sohn) in den Sinn, der seinerzeit mit seinem Vater die deutsche und österreichische Tanzszene dominierte. Wider Erwarten sorgte die Aufführung des Walzers „Faschings-Lieder“ am Rosenmontag 1845 in der Josephstadt aber nicht für begeisterte Jubelstürme. Stattdessen waren die Reaktionen sowohl vom Publikum als auch von der Presse eher verhalten, wie die Berichterstattung belegt, die erst fünf Tage später erschien.

Auch Carl Michael Ziehrer, der nach der Strauss-Dynastie vierter und letzter kaiserlich und königlicher Hofballmusiker wurde, folgte mit „Faschingskinder“ dem Konzept des Karneval-Walzers, ebenso der französische Komponist Jean-Baptiste Arban. Dessen „Karneval von Venedig“ ist ein Stück für Kornett beziehungsweise Trompete, heute besser bekannt als das Kinderlied „Mein Hut, der hat drei Ecken“.

Der Mode entsprechend

Wer hätte gedacht, dass sich auch Robert Schumann, der heute eher als ernstere Persönlichkeit bekannt ist, in die Riege der Karnevalskomponisten einreiht? Und doch schrieb er sogar gleich zwei Klavierzyklen: „Carnaval“ und „Faschingsschwank aus Wien“. Den ersten widmete er seiner Verlobten Ernestine von Fricken. Deren Familie stammte aus dem böhmischen Städchen Asch, weshalb Schumann die Buchstaben A-Es-C-H und As-C-H als Töne in den Miniaturen umsetzte. Deswegen sollte das Werk auch eigentlich „Fasching“ heißen, da sich darin die gleichen Tonbuchstaben finden.

Passend zum Thema tragen die einzelnen Stücke die einprägsamen Titel „Pantalon et Colombine“, „Pierrot“ und „Arlequin“. Jedoch war es der Wunsch seines Verlegers, dem Werk der Mode entsprechend einen französischen Titel zu geben. Immerhin der zweite Schumann’sche Klavierzyklus durfte mit seinem deutschen Namen „Faschingsschwank aus Wien“ veröffentlicht werden.

Parodie fürs allgemeine Amüsement

Ein wenig aus der Reihe tanzt hier Camille Saint-Saëns’ bekanntestes Werk, der „Karneval der Tiere“. Wenn es auch nicht direkt zum Fasching komponiert wurde, sollte das Stück doch dem Amüsement der Zuhörer dienen: In den vierzehn kleinen Stücken parodierte Saint-Saëns nämlich seine Musikerkollegen, indem er aus Jacques Offenbachs schnellem und beschwingten „Cancan“, einen langsamen Schildkrötenmarsch machte und aus Hector Berlioz’ graziösem „Elfentanz“ einen Elefantenwalzer. Deswegen hatte er auch die Veröffentlichung zu Lebzeiten verboten. Zu groß war die Angst, seinen Ruf als seriöser Komponist zu verlieren. Erst nach seinem Tod wurde der „Karneval der Tiere“ veröffentlicht und die postume Wiederaufführung fand – immerhin – zur Karnevalszeit am 25. Februar 1922 in Paris statt.

So brauchen sich Musikliebhaber in der fünften Jahreszeit also keine Sorgen um das Unterhaltungsprogramm zu machen. Selbst eingefleischte Klassikfans kommen auf ihre Kosten und können den Rosenmontag entweder im Konzertsaal zu Schumanns Klavierzyklen lauschend verbringen oder schunkelnd auf dem Parkett zu den Walzern von Strauss und Co.

„Arlequin“ aus Schumanns „Carnaval op. 9“:

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