Werk der Woche – Wagner: Götterdämmerung

Im Tal des Vergessens

Das gewaltige Finale des Opernepos: Hagens Gier nach Macht steigert sich ins Unendliche, während Brünnhildes und Siegfrieds Liebe auf eine harte Probe gestellt wird

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896 © gemeinfrei

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896

Drei Nornen sind es, die auf dem Walkürefelsen am Seil des Schicksals spinnen. Die Weltenesche ist inzwischen vertrocknet und Wotan ließ ihr geschlagenes Holz um Walhall schichten. Doch wie geht es weiter? Das wissen noch nicht einmal die Schicksalsgöttinnen. Sie fliehen zu ihrer Mutter Erda. Währenddessen rüstet sich Siegfried zu neuen Heldentaten. Brünnhilde schenkt er zum Abschied den Ring, bevor er mit seinem Schiff den Rhein hinauffährt.

Hinterlistige Täuschung

Im ersten Aufzug gelang unser Held auf seiner Rheinfahrt zur Burg der Gibichungen, wo er überraschend freudig aufgenommen wird. Fürst Gunther soll nämlich auf Hagens Rat hin Brünnhilde freien. Doch die beiden sind sich einig, dass es nur einen gibt, der stark genug ist, um das Feuer zu durchschreiten und Brünnhilde zu bezwingen: Siegfried. Um ihn an sich zu binden, möchte Gunther den Ahnungslosen mit seiner Schwester Gutrune vermählen. Um sie als Braut zu erringen, ist er bereit, für Gunther um Brünnhilde zu freien – allerdings nicht ganz freiwillig: Durch einen Vergessenheitstrank wurde Siegfried jeglicher Erinnerung an Brünnhilde beraubt. Durch den Tarnhelm in Gunther verwandelt, erscheint Siegfried auf dem Walkürefelsen, entreißt Brünnhilde den Ring, den er ihr einst als Liebesbeweis überreicht hatte, und beansprucht sie kurzerhand als Braut.

Enttäuscht und gedemütigt erscheint Brünnhilde im zweiten Aufzug am Arm Gunthers zur Doppelhochzeit. Fassungslos entdeckt sie den Ring an Siegfrieds Hand und beschuldigt ihn folgerichtig des Betrugs und Treuebruchs. Siegfried kann sich aber noch immer an nichts erinnern. Indessen sieht Hagen seine Stunde gekommen und bietet sich Brünnhilde als Diener ihrer fürchterlichen Rache an. Daraufhin verrät sie ihm, wo Siegfrieds einzige verwundbare Stelle ist: am Rücken.

Siegfrieds Tod. Standbild aus dem Film "Die Nibelungen" von Fritz Lang, 1924

Siegfrieds Tod. Standbild aus dem Film „Die Nibelungen“ von Fritz Lang, 1924 © gemeinfrei

Zurück zum Ursprung

Die drei Rheintöchter ahnen das Unheil bereits und warnen Siegfried im dritten Aufzug vor seinem Schicksal. Doch der Betrogene lässt sich nicht einschüchtern. Vor versammelter Jagdgesellschaft reicht Hagen Siegfried einen Trank, der ihm seine Erinnerung zurückgibt. Freimütig erzählt er von seiner Jugend, seinem Kampf mit dem Drachen und der ersten Begegnung mit Brünnhilde, die er einst als Braut eroberte. Damit hat der Unglückliche seine Schuld gestanden. Hagen stößt ihm seinen Speer in den Rücken und Siegfrieds letzte Gedanken wandern zu seiner geliebten Brünnhilde. Im Trauerzug wird der tote Held zur Gibichungenhalle getragen. Durch die Rheintöchter hat Brünnhilde erfahren, wie es sich wirklich zugetragen hat. Sie lässt einen Scheiterhaufen errichten, um mit Siegfried zu verbrennen. Sei entzündet das Feuer und schickt Wotans Raben nach Walhall, um den Göttern das Ende zu verkünden. Der Ring geht zurück an die Rheintöchter und mit ihm auch Hagen, der bei seinem Versuch, ihnen den Ring ein letztes Mal zu entreißen, mit in die Tiefe gezogen wird.

Hagen versenkt den Nibelungenschatz. Gemälde von Peter von Cornelius, 1859

Hagen versenkt den Nibelungenschatz. Gemälde von Peter von Cornelius, 1859 © gemeinfrei

Bis zur Vollendung verging über ein Vierteljahrhundert

Am 21. November 1874 vollendete Wagner die „Götterdämmerung“. Seit er mit dem Werk begonnen hatte, sind 26 Jahre und drei Monate vergangen. Unter die letzte Seite der Partitur schrieb er: „Vollendet in Wahnfried, ich sage nichts weiter!! R. W.“. Der ursprüngliche Titel lautete: Siegfrieds Tod. Dann hätte Friedrich Nietzsche allerdings nie mit dem Titel seines Spätwerk „Götzendämmerung“ parodistisch auf Wagners „Götterdämmerung“ anspielen können. Im Konzertsaal sind heute Teile des „Götterdämmerung“ zu hören, vor allem „Siegfrieds Rheinfahrt“, „Siegfrieds Trauermarsch“ und „Brünnhildes Schlussgesang“.

Die wichtigsten Fakten zu Richard Wagners „Götterdämmerung“:

Orchesterbesetzung

Kleine Flöte, 3 Flöten, 3 Oboen, Englischhorn, 3 Klarinetten, Bassklarinette, 3 Fagotte, 8 Hörner, 3 Trompeten, Basstrompete, 4 Tenorbassposaunen, Kontrabasstuba, 2 Pauken, Glockenspiel, Triangel, Beckenpaar, Rührtrommel, 6 Harfen, Streicher, Bühnenmusik (Stierhörner, Hörner, 4 Harfen)

Spieldauer

Ca. 4 1/2 Stunden

Die Uraufführung fand am 17. August 1876 im Festspielhaus Bayreuth statt. Die Inszenierung lag bei Richard Wagner selbst, die musikalische Leitung hatte Hans Richter inne.

Anzeige


Referenzeinspielung

Wagner: „Götterdämmerung“
Prague Philharmonic
Hans Swarowsky (Leitung)
Mit: Gerald McKee, Herold Kraus, Rolf Polke, Rolf Kühne, Takao Okamura, Ursula Boese, Nadezda Kniplova & Bella Jasper

Dieses ambitionierte Vorhaben aus dem Jahr 1968 besticht vor allem durch seine Schnörkellosigkeit. Statt auf vordergründige Effekthascherei, konzentriert sich Hans Swarowsky bei dieser Aufnahme lieber auf die Details, wie etwa einen lyrischen Streicherklang oder ein spannungsreiches Tempo, was zu wunderschönen Momenten führt. Dieser frische und klare Klang hängt auch mit der Aufnahmetechnik zusammen: Jeder Sänger hatte sein eigenes Mikrofon im Tonstudio, was zu einer enorm hohen Textverständlichkeit führt.

Jetzt bei Amazon kaufen
Jetzt bei jpc kaufen

Und hier die aktuellen concerti-Termintipps für Wagners „Götterdämmerung“:

Christian Thielemann © Matthias Creutziger

Christian Thielemann

Mittwoch, 01. November 2017,17:00 Uhr
Semperoper (Dresden)

Wagner: Götterdämmerung ...

Christian Thielemann (Leitung) Willy Decker (Regie) Wolfgang Gussmann (Bühnenbild & Kostüme) Pause nach ca. 120… weiter

Christian Thielemann © Matthias Creutziger

Christian Thielemann

Samstag, 20. Januar 2018,16:00 Uhr
Semperoper (Dresden)

Wagner: Götterdämmerung ...

Christian Thielemann (Leitung) Willy Decker (Regie) Wolfgang Gussmann (Bühnenbild & Kostüme) Pause nach ca. 120… weiter

Festspielhaus Bayreuth © El Grafo/Wikimedia Commons

Festspielhaus Bayreuth

Festspielhaus Bayreuth © El Grafo/Wikimedia Commons

Montag, 28. August 2017,16:00 Uhr
Festspielhaus Bayreuth (Bayreuth)

Wagner: Götterdämmerung ...

Marek Janowski (Leitung) Frank Castorf (Regie) Aleksandar Denić (Bühne) Adriana Braga Peretzki (Kostüm) Rainer Casper… weiter

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896 © gemeinfrei

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896

Sonntag, 22. Oktober 2017,15:00 Uhr
Badisches Staatstheater (Karlsruhe)

Wagner: Götterdämmerung ...

Justin Brown (Leitung) Tobias Kratzer (Regie) Rainer Sellmaier (Bühne & Kostüme) Ulrich Wagner (Chor) Bettina… weiter

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896 © gemeinfrei

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896

Sonntag, 05. November 2017,15:00 Uhr
Badisches Staatstheater (Karlsruhe)

Wagner: Götterdämmerung ...

Justin Brown (Leitung) Tobias Kratzer (Regie) Rainer Sellmaier (Bühne & Kostüme) Ulrich Wagner (Chor) Bettina… weiter

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896 © gemeinfrei

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896

Sonntag, 10. Dezember 2017,16:00 Uhr
Badisches Staatstheater (Karlsruhe)

Wagner: Götterdämmerung ...

Justin Brown (Leitung) Tobias Kratzer (Regie) Rainer Sellmaier (Bühne & Kostüme) Ulrich Wagner (Chor) Bettina… weiter

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896 © gemeinfrei

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896

Sonntag, 07. Januar 2018,16:00 Uhr
Badisches Staatstheater (Karlsruhe)

Wagner: Götterdämmerung ...

Justin Brown (Leitung) Tobias Kratzer (Regie) Rainer Sellmaier (Bühne & Kostüme) Ulrich Wagner (Chor) Bettina… weiter

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896 © gemeinfrei

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896

Samstag, 12. Mai 2018,15:00 Uhr
Badisches Staatstheater (Karlsruhe)

Wagner: Götterdämmerung ...

Justin Brown (Leitung) Tobias Kratzer (Regie) Rainer Sellmaier (Bühne & Kostüme) Ulrich Wagner (Chor) Bettina… weiter

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896 © gemeinfrei

Götterdämmerung. Bühnenbild von Max Brückner, 1896

Premiere

Sonntag, 15. Oktober 2017,16:00 Uhr
Badisches Staatstheater (Karlsruhe)

Wagner: Götterdämmerung ...

Justin Brown (Leitung) Tobias Kratzer (Regie) Rainer Sellmaier (Bühne & Kostüme) Ulrich Wagner (Chor) Bettina… weiter

Viel Freude!

Auch interessant

Werk der Woche – Wagner: Siegfried

Drachentöter und Halbtantenliebhaber

Und wieder ist mehr Sitzfleisch gefragt. Beim dritten Teil von Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“, benannt nach seiner Hauptfigur Siegfried, ist die Spieldauer bei rund vier Stunden angelangt weiter

Werk der Woche – Wagner: Die Walküre

Inzest mit Nachwirkungen

Nachdem am Ende von „Rheingold“ die Götterburg Walhall bezogen wurde, menschelt es im zweiten Teil der „Ring“-Tetralogie gewaltig weiter

Werk der Woche – Wagner: „Das Rheingold“

„Nur wer der Minne Macht entsagt“

Weil drei Rheintöchter das Liebeswerben eines Zwerges im „Rheingold“ verhöhnen, nimmt Wagners „Ring des Nibelungen“ seinen dramatischen Lauf weiter

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *