Bernstein: West Side Story

UA New York 1957

Bandenkrieg amerikanischer Jugendgangs zu Anfang der fünfziger Jahre in New York: Jets (einheimische Weiße) gegen Sharks (eingewanderte Puertoamerikaner). Tony (Jet) und Maria (Shark) begegnen sich beim Tanzen in einer Turnhalle. Ein seliges Liebespaar aus verfeindeten Sippen – Romeo und Julia als Broadway-Musical.

Und so grausam wie bei Shakespeare geht es zu: Bei einer rituellen Schlägerei („The Rumble“) zwischen den Bandenchefs Riff (Jet) und Bernardo (Shark) blinken plötzlich Messer und Bernardo ersticht Riff aus Wut über die durch Tony geschändete Ehre seiner Schwester Maria. Daraufhin tötet Tony Bernardo. Anita, Marias Freundin, will Tony vor der Rache von Chino, Bernardos Freund, warnen. Als die Jets sie vergewaltigen, behauptet sie aus Angst, Chino habe Maria getötet. Daraufhin irrt Tony, rasend vor Schmerz, durch die Straßen und ruft nach Chino. Plötzlich findet er Maria und stürzt in ihre Arme – von Chinos Revolver getroffen. Maria – wie die Pieta mit Tonys Leiche auf dem Schoß – klagt die Welt an.

Jets und Sharks müssen auf der Bühne nicht nur singen, sondern auch präzise tanzen; die szenische Hauptarbeit liegt dementsprechend weniger beim Regisseur als vielmehr beim Choreografen.

Die Musik ist somber (drohend), jazzy (knallig), street-smart (straßenmäßig) und savvy-literally (scharfzüngig). Leonard „Lenny“ Bernsteins charismatische und impulsive Persönlichkeit bricht aus jedem Takt der Partitur hervor. Er war Dirigent, Pianist und Komponist und als solcher in der Klassik ebenso zuhause wie in der Popularmusik. Die Charakterisierung der Jets durch Jazzelemente (wie in „Cool“) und der Sharks durch Folkelemente (wie in „America“) ist sehr gelungen.

Die Holzbläser im amerikanischen Reed-System sind keine Spezialisten wie in europäischen Orchestern, sondern versierte Allroundmusiker: fünf Spieler haben abwechselnd dreiundzwanzig Instrumente zu bedienen. Klangprägend sind daneben die virtuose Brass-group (Blechbläser) die elektrische Gitarre, Klavier und großes Schlagzeug (mit Jazz-Drumset).

Die nur zwölf Streicher geben vor allem Atmosphäre und Sound in den intimen Szenen zwischen Tony und Maria. Die musikalische Poesie der Liebesszenen ist wie ein Operntraum und steht in krassem Gegensatz zu den realistischen Bandenszenen:


  • Tonys schwebend - erregter Eingangssong „Something's coming“

  • sein schwärmerischer Lovesong über den Namen Maria

  • die bezaubernde, zur Musik gesprochene erste Begegnungsszene

  • die Balcony-Scene mit dem melodieseligen Duett „Tonight“

  • Marias gesprochene Schlussklage – an der Leiche Tonys – ergreift in ihrer einfachen Wahrheit.


„West Side Story“ ist das tragische Hohelied des amerikanischen Rassismus – wird er jemals überwunden werden, „Somehow, Someday“?

(Mathias Husmann)

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Samstag, 17. Februar 2018, 19:30 Uhr
Theater Erfurt (Erfurt)

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Freitag, 02. März 2018, 19:30 Uhr
Staatsoper Hannover (Hannover)

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