Weber: Der Freischütz

(UA Berlin 1821)

Der Freischütz steht am Anfang der Deutschen Operngeschichte – eine schaurig schöne Geschichte! Sie spielt im böhmischen Wald unter Förstern und Jägern, Samiel, der schwarze Jäger, spielt auch mit ...

Die Mannspersonen: Max und Caspar, beide Jäger, labil der eine, zwielichtig der andere, haben es schwer. Aber die Frauengestalten: Agathe, mit Max verlobt, immer bangend um ihn, und ihre junge, lebenslustige Base: das Ännchen, angereist, um Agathe aufzuheitern, sind hinreißend. Ab dem Duett der beiden war der Welterfolg des „Freischütz” nicht mehr aufzuhalten. Mozarts Gräfin und Susanne („Figaros Hochzeit” war eben 35 Jahre alt) standen Pate bei dieser Stimmkombination, wie auch Caspar dem Beethovenschen Pizarro nachempfunden ist (Weber hatte den „Fidelio” schon kurz nach der Wiener Premiere in Prag aufgeführt).

Die Wolfsschluchtszene, Höhepunkt – inhaltlich Tiefpunkt der Oper, ist DIE romantische Spukszene schlechthin. Für ihre Umsetzung erhielt Weber eine Extraprobe zugestanden (die zeitgleich produzierte italienische „Olympia” von Gasparo Spontini beanspruchte 42 Proben).

Bemerkenswert ist, wie bewußt Weber und Friedrich Kind (dessen Textbuch Goethe sehr schätzte) zu Werke gingen: um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, Aberglauben zu verbreiten, führten sie die Figur des rettenden Eremiten ein – kein Kirchenvertreter, sondern ein “Mann, den weit und breit die Gegend ehrt“, aber was dieser den Leuten auf der Bühne und im Saal zu sagen hat, ist beherzigenswerte Aufklärung.

Felix Mendelssohn Bartholdy (er saß elfjährig in der Premiere), Richard Wagner und Richard Strauss haben Leitmotivik, Tonartensymbolik, Instrumentation, Stimmungsübergänge – den ganzen romantischen Zauber von Weber gelernt. Unnachahmlich indes war der menschliche Zauber von Webers humpelnder, krächzender, schwindsüchtiger, gleichwohl charismatischer, eleganter, liebevoller und liebenswerter Persönlichkeit.

Als 1843 in Dresden ein neuer Musikdirektor gesucht wurde, gab das Votum von Webers Witwe Caroline (sie war als Sängerin „vom Fach“) den Ausschlag, daß Wagner die Stelle erhielt.

An den Siegeszug des „Freischütz” als deutscher Oper hingen sich schon früh die Hoffnungen politischer Träumer, und der Brautjungfernchor – ein kleines Volkslied – wurde zum Erkennungsmotiv der Patrioten...

(Mathias Husmann)

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