Beethoven: Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

(UA Wien 1808)

Ging es in der Eroica um den politischen Kampf der Gesellschaft gegen den äußeren Feind der Freiheit: die Tyrannis, in welcher „alle Menschenrechte mit Füßen getreten werden“ (siehe die Geschichte der Widmung), so geht es in der Fünften um den geistig-seelischen Kampf des Einzelnen gegen den inneren Feind: „ich will dem Schicksal in den Rachen greifen...“

Beethoven wußte, wovon er sprach: seine früh einsetzende Ertaubung verwüstete sein Leben und verlangte von ihm übermenschliche Kraft, um nicht zu verzweifeln. Durch sein Beispiel wollte er seinen Mitmenschen Mut machen: „wer meine Musik kennt, kann nicht ganz mutlos werden“.

Die ersten vier Symphonien begannen mit einer Einleitung oder wenigstens einem kurzenVorspann. Die Fünfte beginnt direkt mit dem Hauptthema – dem aufgerissenen Rachen des Schicksals. In fast jedem Takt springt uns dieses Thema entgegen – „wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ (Hölderlin): über der erstarrten Drohgebärde (Hörner) wächst die zarte Pflanze der Hoffnung (Seitenthema) und der starke Baum des Mutes (Schlußgruppe).

Als Goethe in Teplitz Beethoven begegnete, schrieb er: „Zusammengefaßter, energischer, inniger habe ich noch keinen Künstler gesehen“.

Der langsame Satz ist ergreifend in seiner Demut. Hier wird das Schicksal – ganz niederschlagen soll es mich gewiß nicht – nicht bekämpft, sondern durch Annahme überwunden.

Scherzo und Finale bilden eine Einheit. Dadurch wird – zum ersten Mal – das Schwergewicht vom Kopfsatz auf das Ende einer Symphonie verlagert. Das Scherzo ist nur noch Vorspann zum Finale, seine Dramatik klingt unwirklich, bei seiner Wiederholung ist es nur noch ein Schatten.

Nach fünfzig Takten völliger Dunkelheit – eines der vielen berühmten Beethovenschen Paukensoli – nur das Herz des Zuhörers klopft noch aufgeregter – stößt das Finale das Tor zur großen, inneren Freiheit auf: „das letzte Stück der Symphonie ist mit 3 Posaunen und Flautino (und Kontrafagott) – zwar nicht mit 3 Pauken, wird aber mehr Lärm als 6 Pauken und zwar bessern Lärm machen“.

In der Mitte des Satzes, auf dem Höhepunkt der Durchführung, taucht das Scherzothema noch einmal auf – wie eine ferne Erinnerung. Kurz vor Ende der Schicksalssymphonie gibt es ein plötzliches Einhalten, und es ist, als vernähmen wir Vogelstimmen – hat da ein Tauber sein Gehör wiedergeschenkt bekommen?

(Mathias Husmann)