Schumann: Cellokonzert a-moll op. 129

(1850-53)

Schon der Anfang ist ergreifend – fängt so ein Konzert an?

Drei leise, langsame, schwermütige Bläserharmonien, dazu drei harfenartige Streicherakkorde – die nachtblaue Blume der Romantik öffnet ihren Blütenkelch und verströmt betäubenden Duft: eine kaum wahrnehmbare, unregelmäßige Wellenbewegung mit einzelnen, fragilen Baßtönen entsteht – und aus diesem labilen Klanggrund erwächst das wundersame Cellothema. Zunächst träumt es die aufsteigende Linie der Einleitung nach, dann stürzt es zusammen – nach einem fragenden Blick rafft es sich auf und beginnt zu konzertieren...

Wer je von diesem Anfang getroffen wurde, kann ihn nicht mehr vergessen, und wird von daher das Konzert begreifen: diese Musik ist schutzlos ihren Gemütsschwankungen ausgeliefert: ekstatisch und depressiv (1.Satz), innig und wie abwesend (2.Satz), ausgelassen und abgründig (3.Satz). Alle Sätze sind durch poetische oder dramatische Überleitungen verbunden; vor dem Schluß des Konzerts ergibt sich eine längere, vom Orchester begleitete Kadenz. Der Cellopart ist leidend und leidenschaftlich, in den konzertierenden Phasen gambenartig figuriert und phrasiert.

Vielleicht erkannte Schumann die Bedeutung des Cellokonzertes für ihn selber nicht sogleich, als er es 1850 niederschrieb – der Ortswechsel von der Elbe an den Rhein hatte ihn erfrischt; als sich 1853 die mentalen Störungen zurückmeldeten, zog es ihn magisch an. Sicher hat er beim Überarbeiten den irrenden, stockenden Charakter der Musik noch betont.

Zu Lebzeiten Schumanns fand sich kein Cellist, der es spielen mochte – heute ist es Traum aller Solisten.

(Mathias Husmann)

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