Verdi: Il trovatore

(UA Rom 1853)

Die Mutter der Zigeunerin Azucena war verbrannt worden, weil sie angeblich einen der beiden kleinen Söhne des vorigen Grafen Luna behext hatte. Aus Rache raubte Azucena den anderen kleinen Sohn, warf aber in ihrem Fanatismus versehentlich ihr eigenes Söhnchen ins Feuer. Sie zog den geraubten kleinen Jungen auf und gab ihm den Namen Manrico.

Als Erwachsener wird Manrico – in Unkenntnis seiner Identität – zum Kriegsgegner des jungen Graf Luna. Beide lieben die schöne Leonora von Sargasto. Manrico hat als nächtlicher Trovatore ihr Herz erobert. Der eifersüchtige Graf Luna lässt Manrico einkerkern. Leonora bietet sich Luna an, um Manrico freizukaufen, hat aber schon Gift genommen. Wutentbrannt lässt Luna Manrico hinrichten – Azucena triumphiert: Er war dein Bruder!

Von Anfang an gab es einhellige Zustimmung zur Musik des Trovatore: brillant, dramatisch, melodisch, populär ... und einhellige Ablehnung des verworrenen Librettos.

Vielleicht lag es daran, dass der Librettist Salvatore Cammarano während der Arbeit starb, aber vielleicht ist die Sprunghaftigkeit der Handlung auch gewollt – als romantischer Irrationalismus.

Ob Schlossvorhalle, Burgruine, Klosterkreuzgang, Kriegslager, Kastell, Palastsaal, Kerker – fast immer herrscht Nacht, fast immer lodern Flammen – auch in den Herzen und vor allem in der gequälten Seele von Azucena.

Der Chor hat viel zu tun: Gemeinsam erscheint er als Zigeuner und Zigeunerinnen; die Herren sieht man außerdem als Krieger, die Damen hört man als Nonnen – hinter der Bühne, denn in Italien war es verboten, die Kirche auf die Bühne zu bringen. Impresario Jacovacci dürfte es recht gewesen sein: So konnte er bei den Kostümen sparen, denn zwei gleichwertige weibliche Hauptrollen waren teuer.

Il Trovatore – mit vier guten Protagonisten wird aus einem Schundroman ein faszinierendes musikalisches Feuerwerk menschlicher Leidenschaften!

(Mathias Husmann)

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