Verdi: Un ballo in maschera

(UA Rom 1859)

Dass die Zensurbehörde im Königreich Neapel – nach dem Attentat auf Ferdinand II. von 1856 – eine Oper mit einem Königsmord ablehnte, war klar, auch wenn deren Handlung im fernen Schweden und 1792 spielt. Verdi ließ sich gerichtlich bestätigen, dass die erforderlichen Änderungen sein Werk entstellten. Er zog die Oper zurück und vergab die Uraufführung nach Rom. Aber auch dort wurde Entpolitisierung verlangt – die Behörden waren überall nervös.

Dergestalt neutralisiert, liest sich die Handlung so: Eine Frau hat eine Beziehung mit dem Freund und Vorgesetzten ihres Mannes, dieser kommt dahinter – auf einem Maskenball. In der Theaterwelt werden ohnehin alle Figuren auf Vornamen reduziert: Riccardo, Renato, Amelia, Oscar, Ulrica, Samuel und Tom. Die Musik ist stark, nach wann und wo fragt niemand. Durch den Protokollchef Oscar – dargestellt von einem zwitschernden Koloratursopran – kommt ein spielerisch-surrealer Zug in das Geschehen. Man ist auf Abenteuer aus: Als eine Wahrsagerin angeklagt werden soll, beschließen alle, sich erst einmal von ihr das Horoskop stellen zu lassen ...

Üblicherweise wird im Maskenball nicht gekürzt, denn die Highlights folgen dicht aufeinander:

- das träumerische Vorspiel,

- Renatos Treuebekenntnis zu seinem Freund und Herrn Riccardo,

- das ausgelassene Ensemble der Vorfreude auf den Besuch bei der Wahrsagerin Ulrica,

- deren magische Beschwörungsarie,

- das Terzett bei Ulrica: Amelia, Renatos Frau, sucht ein Heilmittel gegen ihre Gefühle für Riccardo, dieser belauscht die Szene und will sich auch unter dem Galgen einfinden, wo mitternachts das Heilkraut gegen verbotene Gefühle zu finden sein soll,

- die ganze Szene unter dem Galgen, darin:

- die Arie Amelias – sie liebt Mann und Freund,

- das Duett der verbotenen Gefühle,

- das Terzett der Angst vor Entdeckung – als Renato dazu kommt, Riccardo vor den Verschwörern Samuel und Tom zu schützen, nicht wissend, wer die Dame bei ihm ist,

- das Spott-Ensemble der Verschwörer, als Amelia ihren Schleier lüften muss, um ihren Gatten zu schützen,

- die verzweifelte Arie des Renato – er liebt Frau und Freund, beide haben ihn betrogen,

- die makabre Szene, in der zwischen Renato, Samuel und Tom das Los gezogen wird, wer Riccardo ermorden soll – mit dämonischem Trompetensolo,

- der Maskenball – mit einer traumhaft zarten, erotischen und dabei tieftraurigen Kammermusik im Hintergrund.

Nach allem Ärger mit der Zensur gestaltete sich auch noch die Überfahrt von Verdi und Giuseppina per Schiff von Genua nach Citavechia zur Premiere in Rom unangenehm – sogar Luolou, der Malteser-Spaniel, soll seekrank gewesen sein ...

(Mathias Husmann)

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Freitag, 15. Dezember 2017, 19:00 Uhr
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