Wagner: Der fliegende Holländer

(UA Dresden 1843)

Am Anfang zwei Visionen: heulender Sturm im Skagerrak. Aus der Ferne Schiffsmasten und blutrote Segel, sich rasend nähernd, ungeheure Wogen vor sich herschiebend – auf hohem Bord ein bleicher Kapitän – Pfiffe und Kommandos wie Peitschenhiebe, in der Ferne verschwindend. Spinnstube in einer norwegischen Hafenstadt. Eines der dort arbeitenden Mädchen starrt ein altes Bild an – es zeigt einen bleichen Kapitän auf hohem Bord eines Segelschiffs. So beginnt die Ouvertüre.

Magie ist im Spiel: Der bevorstehende Landgang des „fliegenden Holländers“ hat das kleine Schiff des Kaufmanns Daland in die Bucht Sandwike geweht; alle Seeleute – auch der wachhabende Steuermann – sinken in magischen Schlaf. Mit hässlichem Krachen – aber unbemerkt – geht das Holländerschiff vor Anker, und der bleiche Kapitän tritt an Land. Sein Fluch zwingt ihn, alle sieben Jahre auf Brautschau zu gehen, bis er ein Weib findet, das bereit ist, ihn durch ihre Treue zu erlösen, für ihn und mit ihm zu sterben.

Magische Momente:

- das Lied des Steuermanns, der wie telepathisch gelenkt einschläft,

- der Auftritt des verfluchten Holländers – leidenschaftliche Arie eines Übermüden,

- Eriks Traum (er galt bisher als Sentas Bräutigam) von der Ankunft zweier Schiffe,

- Sentas Ballade – Keimzelle der Oper; als Senta der letzten Zeile nachsinnt, steht ihr Vater Daland mit einem Fremden in der Tür,

- das traumversunkene Duett zwischen dem Holländer und Senta – Mittelpunkt der Oper,

- die Chorszene im Hafen: die ausgelassenen norwegischen Matrosen verhöhnen die „Kollegen“ des totenstill daliegenden fremden Schiffes, bis diese gespenstisch und wild zu singen und zu tanzen beginnen.

Als Wagner 1839 von Riga nach Paris vor seinen Gläubigern floh, erlebte er auf dreiwöchiger Seereise Stürme, die sich in seiner ersten romantischen Oper niederschlugen. Er hörte auch Arbeitslieder der Matrosen, deren Plattdeutsch er zwar nicht verstand („Schonersail, riet em dahl“), deren Melodie aber sich ihm einprägte und im Seemannschor Steuermann, laß die Wacht wiederkehrt.

Überhaupt die Chöre! Seemannschöre, Spinnerinnenchor, Geisterchor – eine Freude zu singen, eine Freude zu hören! Und die ganze Oper ist kurz: Man kann sie als Ballade ohne Pause spielen, wenn ein genialer Bühnenbildner schnelle Verwandlungen ermöglicht ...

Eine herrliche, nasskalte, aber herzwarme Musik!

(Mathias Husmann)

Werk der Woche – Wagner: Der fliegende Holländer

„Ich sei’s, die dich durch ihre Treu’ erlöse!“

Erlösungsmythos, Märtyrerdrama, Gespensteroper: Mit seiner Oper „Der fliegende Holländer“ kam… weiter

Opern-Kritik: Opernfestspiele Heidenheim – Der fliegende Holländer

Senta, das störrische Gothic-Girl

(Heidenheim, 28.7.2017) Georg Schmidtleitner und Marcus Bosch wagen Wagner auf… weiter

Opern-Kritik: BÜHNEN HALLE – DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

Gesamtkunstwerk zum Mitmachen

(Halle, 23.09.2016) Der Philanthrokapitalist und seine Braut in HETEROTOPIA weiter

Freitag, 23. Februar 2018, 20:00 Uhr
Sächsische Staatsoper (Dresden)

Wagner: Der fliegende Holländer

Asher Fisch (Leitung) Florentine Klepper (Regie) Wagner: Der fliegende Holländer weiter

Samstag, 17. März 2018, 19:30 Uhr
Theater Erfurt (Erfurt)

Wagner: Der fliegende Holländer

Xu Zhong (Leitung) Guy Montavon (Regie) Wagner: Der fliegende Holländer weiter

Sonntag, 25. März 2018, 15:00 Uhr
Theater Erfurt (Erfurt)

Wagner: Der fliegende Holländer

Xu Zhong (Leitung) Guy Montavon (Regie) Wagner: Der fliegende Holländer weiter