Wagner: Der Ring des Nibelungen – Siegfried

(UA Bayreuth 1876)

Leises Paukengrollen, ein „sinnendes“ Fagottmotiv, absteigend bis zu „der Erde Nabelnest“ – hier haust der Zwerg Mime. Er werkelt an einem Schwert für seinen Ziehsohn Siegfried: Zwangvolle Plage! Müh ohne Zweck! Der Charaktertenor muss dazu rhythmisch hämmern – eine virtuose Partie! Siegfried erzwingt von Mime Auskunft über seine Eltern. Der gesteht, was er weiß, und zeigt ihm als Beweis die Trümmer des Schwertes Nothung. Da er sie nicht fügen kann, schmiedet Siegfried selbst. Auch der Heldentenor muss zu seinen Schmiedeliedern den Blasebalg bedienen und hämmern!

Das neue Schwert an der Seite, erscheint Siegfried mit Mime vor „Neidhöhle“, wo Fafner als Riesenwurm den Nibelungenhort hütet. Er weckt ihn mit seinem Horn und tötet ihn. Der schmetternde „Siegfried-Ruf“ ist der große Augenblick des Solohornisten, Fafners Tod ist die Stunde des Kontrabasstubisten, der mit urweltlichem Grollen Schwerarbeit leistet! Beim Reinigen seines Schwertes kommt Siegfried mit Fafners Blut in Berührung und kann plötzlich die Sprache der Vögel verstehen. Doch bevor der Waldvogel (entzückend frei zwitschernd – erst im Orchester, dann als Sopran) ihm den Weg zum Walkürenfelsen zeigen konnte, nahm Wagner „mit herzlichen Tränen“ für zehn Jahre von Siegfried Abschied, um – Tristan und Isolde und Die Meistersinger von Nürnberg zu schreiben!

Das Ring-Projekt war in eine Krise geraten. Die Leitmotive nutzten sich ab, und vielleicht gingen die Stabreime allmählich Wagner selbst auf die Nerven: Seh ich dich stehn, gangeln und gehn, knicken und nicken, mit den Augen zwicken ... und so fort. Vor allem aber traten Cosima von Bülow geb. Liszt und Ludwig II. König von Bayern in sein Leben und erlösten ihn – von Kinderlosigkeit und finanziellen Sorgen.

Nach diesen „Intermezzi“ kehrte Wagner erfrischt zu Siegfried zurück. Doch sein Stil hatte sich gewandelt. Für das Orchester brachen schwere Zeiten an: Der ohnehin anspruchsvolle Ring-Stil wurde jetzt „tristanesk“ geschärft und „meistersingerlich“ befrachtet.

Der Waldvogel rät Siegfried, aus dem Nibelungenhort den Ring und den Tarnhelm an sich zu nehmen, außerdem warnt er ihn vor Mime. Siegfried folgt dem Rat. Als Mime ihn mit einem Trank vergiften will, streckt Siegfried ihn nieder.

Wotan versucht, seinem Enkel den Zutritt zum Walkürenfelsen zu verwehren, doch dieser zerschlägt dessen Speer mit seinem Schwert – so wollte Wotan es wohl auch. Dann stürzt sich Siegfried, sein Horn reckend, in das Feuer. Ein fantastisches Zwischenspiel: die brünstige Glut scheint den Eindringling wollüstig zu empfangen, dann führt ein langes, ruhiges Violinenthema hinauf in „selige Öde auf sonniger Höh“. Wotan hatte Brünnhilde in den Schlaf geküsst, Siegfried küsst sie wach ...

Wer Rheingold und Walküre versäumte, erhält in den Befragungsszenen des Wanderers (alias Wotan) mit Mime, Alberich und Erda Gelegenheit, Wissenslücken zu füllen. Das zieht sich hin – wie wird das erst in der Götterdämmerung werden?

(Mathias Husmann)

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