Das Theremin

Sphärische Töne

Jeder kennt es, kaum jemand kann es spielen: Das Theremin fasziniert die Musikwelt seit Jahrzehnten

Theremin-Spielerin Carolina Eyck © Christoph Hüller

Theremin-Spielerin Carolina Eyck

Es ist wie geschaffen für die psychedelische Phase der Hippies oder engagierte Esoteriker: das Theremin. Denn dieses elektronische Instrument erzeugt geradezu sphärische Klänge, die noch dazu berührungslos produziert werden. Doch genau darin liegt auch eine der Schwierigkeiten. In irgendeiner Form „spielen“ kann es jeder, schließlich muss man „nur“ Hände oder Arme bewegen. Zwei aus einem Kasten herausragende Antennen funktionieren wie Sensoren, die auf unterschiedliche Abstände mit sich verändernden Klängen reagieren.

Will man jedoch nicht nur willkürlich agieren, sondern die Klänge gezielt steuern, bedarf es langer Übung und Erfahrung. Das beginnt bereits mit der Bauweise des Theremins. Die eine Antenne (genauer: Elektrode) steuert die Lautstärke, die andere die Tonhöhe. Ein Glissando oder ein Ton mit Vibrato ist viel einfacher zu erzeugen als eine schlichte Tonleiter. So kommt es, dass nur wenige Musiker das Instrument in einer Art beherrschen, die bei jedem Geiger oder Pianisten als selbstverständlich vorausgesetzt wird.

Theremin in der Filmmusik

Was dann auch erklärt, dass sich der Einsatzbereich kaum im klassischen Orchester wiederfindet, wohl aber dort, wo es um Exotisches, Übersinnliches oder gar Extraterrestrisches geht. Da kann Hollywood nicht weit sein. Am bekanntesten dürfte die Filmmusik zu Hitchcocks „Ich kämpfe um dich“ (1945) sein. Komponist Miklós Rózsa verwendete es außerdem in „Das verlorene Wochenende“ (ebenfalls 1945).

Interpret war hier jeweils Samuel Hofmann. Er war es auch, der 1947 das erfolgreiche Album „Music Out of the Moon“ herausgab und damit die Weltraumbegeisterung dieser Zeit widerspiegelte. Dazu gehören schließlich noch Dimitri Tiomkins Filmmusik zu „Das Ding aus einer anderen Welt“ und die Musik des zeitweiligen Hitchcock-Hofkomponisten Bernard Herrmann zu „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (beide 1951).

Das mysteriöse Leben des Theremin-Erfinders

Lew Termen (Leon Theremin) spielt das Theremin

Lew Termen (Leon Theremin) spielt das Theremin © gemeinfrei

Das Schicksals des Theremin-Erfinders, des Russen Lew Termen (1896 bis 1993), der sich in den Vereinigsten Staaten Leon Theremin nannte, hatte da längst eine bittere Wendung erfahren. Unter bis heute ungeklärten Umständen verschwand er in den USA von der Bildfläche, um schließlich in einem russischen Gefangenenlager wieder aufzutauchen. Die Kulturpolitik des „sozialistischen Realismus“ verhinderte weitgehend eine weitere Verbreitung seines Theremins.Absatz 20px

Das Theremin in der klassischen Musik

Die Hippies kamen für das Instrument übrigens etwas zu spät. Erfunden wurde es in einer der Hochphasen experimentellen Elektronikbaus in den 1920er-Jahren. In dieser Zeit entstanden auch einige Werke für den Konzertsaal von „seriösen“ Komponisten, darunter Percy Grainger, Edgar Varèse, Bohuslav Martinů und Henry Cowell. John Cage verzichtete allerdings auf seinen Einsatz, weil er in der Wiedergabe bearbeiteter klassischer Werke auf dem Theremin dessen avantgardistische Wirkung bereits untergraben sah.

Ein ganz ähnlicher Klang schließlich findet sich im Beach-Boys-Klassiker „Good Vibrations“ von 1966. Hier wird der sirenenartige Ton allerdings von einem Tannerin erzeugt. Technisch im Prinzip ähnlich wie das Theremin aufgebaut, wird das Tannerin nicht mehr berührungslos gespielt.

Das Theremin im Duett mit der singenden Säge:

Leon Theremin führt seine Erfindung vor:

„Somewhere Over The Rainbow“:

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