Schon früh wurde Paul Gerhardt mit schicksalhaften Momenten konfrontiert, die einen Menschen seelisch aus der Bahn werfen könnten: Mit 14 Jahren war er Vollwaise, seine Geburtsstadt wurde verwüstet, in seinem Studienort Wittenberg grassierte die Pest, und auch nach dem Westfälischen Frieden 1648 waren die Kriegsfolgen landauf, landab sichtbar. Doch anstatt zu verzagen, fand der Theologe Zuversicht in der Lyrik. Etwa 140 seiner Lieder sind überliefert, viele davon hielten Einzug in die Musik Bachs und seiner Zeitgenossen. Anlässlich Gerhardts 350. Todesjahres erklingt in jedem Konzert des Hamburger Orgelsommers in St. Katharinen ein Werk, das sich auf den Dichter bezieht. Gleich im Eröffnungskonzert stehen zwei Bach-Kantaten auf dem Programm, ausgedehnte Orgelsoli inklusive. Ein barockes Heimspiel gestaltet indes Stefan Kordes, wenn er Werke der beiden Katharinen-Organisten Heinrich Scheidemann und Johann Adam Reincken gegenüberstellt. Der japanische Bach-Spezialist Masaaki Suzuki wiederum bringt zwei erst kürzlich dem Altmeister zugeschriebene Werke zu Gehör.
Internationale Gastkünstler beim Hamburger Orgelsommer
Auch im Michel haben Leuchttürme der Orgelszene ihr Kommen angekündigt: Anna Lapwood zeigt, wie wunderbar Klassik, Pop und Filmmusik auf der „Königin der Instrumente“ klingen, der aufstrebende Jan Liebermann spannt den Bogen von Bach bis zu Vierne, und Jonathan Scott wartet mit spektakulären Transkriptionen auf. Olivier Latry hingegen präsentiert in St. Petri Bach aus der Warte französischer Komponisten. Hochklassige Improvisationen erwartet das Publikum, wenn Sietze de Vries in St. Jacobi an die Tasten und Pedale tritt sowie im Abschlusskonzert mit den Organisten der fünf Hamburger Hauptkirchen in St. Nikolai.





