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Start der Bayreuther Festspiele 2026

Erschallet Trompeten

Die Bayreuther Festspiele feiern ihr 150-jähriges Bestehen – mit der Bayreuther Erstaufführung von „Rienzi“, einem „KI-Ring“ und dem Blick auf die eigene kulturelle Verantwortung.

vonPatrick Erb,

Immer eine Viertelstunde vor Vorstellungsbeginn betreten die Pausenmusiker den Balkon des Festspielhauses und eröffnen den jeweiligen Opernabend mit einer eigens komponierten Fanfare – eine Tradition, die bis in Richard Wagners Zeit zurückreicht: Seit 1876 erklingen die Pausenfanfaren bei allen Aufführungen der Bayreuther Festspiele. Nun feiern diese ihr 150-jähriges Bestehen. Eineinhalb Jahrhunderte bieten reichlich Gelegenheit, an schönen Traditionen festzuhalten. Zugleich ist es für Festspielintendantin Katharina Wagner höchste Zeit und erklärter Wunsch, die eigene Familiengeschichte aufzuarbeiten – etwa deren Verstrickungen in Antisemitismus und Nationalsozialismus – und die Festspiele immer wieder neu zu erfinden. Wie selten zuvor gehen deshalb bei der diesjährigen Ausgabe Tradition und Innovation Hand in Hand.

Politisch grundiert war Bayreuth somit schon immer. Mit „Rienzi“ steht nun jedoch die Erstaufführung eines Werks bevor, dessen beeindruckende Musik lange von seiner Beliebtheit während der NS-Zeit überschattet wurde. Einst Wagners meistgespielte Oper, erhielt „Hitlers Lieblingsoper“ – vom Bayreuther Meister für seine Festspiele ohnehin nie vorgesehen – in der Nachkriegszeit einen trüben Beigeschmack, der sich allmählich zu verlieren scheint. Denn geboten ist die sorgfältige Auseinandersetzung, nicht die Missachtung. Umso spannender wird es sein, was das Regieteam Magdolna Parditka und Alexandra Szemerédy aus „Rienzi“ macht. Gemeinsam mit Andreas Schager in der Titelrolle und Nathalie Stutzmann am Pult werden beiden Ungarinnen am 26. Juli Musikgeschichte schreiben.

Von der Tradition in die Postmoderne

Ähnlich hell dürfte das zweite Glanzlicht der Jubiläumsausgabe aufleuchten: der sogenannte „KI-Ring“, für den der Digitaltheaterexperte Marcus Lobbes Material aus 150 Jahren Rezeptionsgeschichte kuratiert und mithilfe künstlicher Intelligenz verarbeitet hat. Wie das Ganze aussehen wird, lässt sich schwer vorhersagen – zumal die einzelnen Vorstellungen variieren dürften. Eine gewisse Statik der Bühnenchoreografie wird dabei kaum zu vermeiden sein, weshalb das Hauptaugenmerk umso stärker auf einer erstklassigen Sängerbesetzung liegt. Unter der Leitung von Christian Thielemann und mit Mitwirkenden wie Michael Volle, Klaus Florian Voigt, Camilla Nylund, Mika Kares, Magdalena Hinterdobler und Michael Kupfer-Radecky sind dafür beste Voraussetzungen gegeben. Thielemann wiederum, eröffnet zudem noch vor der ersten Opernpremiere die Festspiele mit Beethovens Neunter Sinfonie.

Darüber hinaus bleiben weitere hochkarätig besetzte und beliebte Opern im Repertoire der Festspiele: etwa Dmitri Tcherniakovs Inszenierung des „Fliegenden Holländers“ mit dem gefeierten amerikanischen Bariton Nicholas Brownlee und Asmik Grigorian als Senta oder „Parsifal“, in dem neben Michael Volle und Andreas Schager auch Georg Zeppenfeld in seiner Paraderolle als Gurnemanz zu erleben ist. Bereits 2023 experimentierte Jay Scheib bei seiner Eröffnungspremiere mit modernster Technik – damals ein gewagter Technologiesprung, da die Ausstattung von rund 2.000 Zuschauern mit VR-Brillen den finanziellen Rahmen gesprengt hätte und daher nur ein Bruchteil des Publikums in diesen Versuch einbezogen werden konnte. In diesem Jahr setzt die Uraufführung von „Brünnhilde brennt“ mit Musik von Bernhard Lang neue künstlerische Impulse. Wohin die Reise dabei führt, ist noch ungewiss. Fest steht jedoch: Der Mythos Bayreuth lebt.

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