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Festivalbericht: Styriarte 2026

Graz erleuchtet

Die Styriarte geht mit einem fulminanten Konzert unter der Leitung von Jordi Savall feierlich zu Ende – und das Publikum geht gemäß dem Motto „Licht Spiele“ vielfach erleuchtet nach Hause.

vonSusanne Bánhidai,

Seit 40 Jahren erfüllt das Musikfestival die Stadt Graz mit Musik auf Spitzenniveau. Auch in diesem Jahr präsentierte die Styriarte Klassik-Stars, Veranstaltungen für Kinder, Musiktheater-Preziosen und originelle Konzertformate. Mit dem Ort der Uraufführung eines von der Styriarte in Auftrag gegebenen Werks nimmt das Festival sein Motto wörtlich. Um 5 Uhr morgens erklang bei Sonnenaufgang auf dem Schöckl-Plateau Maria Gstättners Werk „Ambrosia“ für vier Alphörner und Brassquintett. 

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Auf dem Schöckl-Plateau dirigierte Maria Gstättner die Uraufführung des Werkes „Ambrosia“
Auf dem Schöckl-Plateau dirigierte Maria Gstättner die Uraufführung des Werkes „Ambrosia“

In Licht getaucht 

Dass Graz mehr ist als eine Kulisse für das Festival, zeigt sich bei der Spezialführung durch die Stadt. Sie führt zu von Licht inspirierten Kunstwerken, auf den Uhrturm, in die Dunkelheit und bunten Kirchenfenstern – ergänzt durch musikalische Einlagen. Auch der Abend im Congress Graz steht ganz im Zeichen von „Licht Spiele“ und zeigt, dass die Stadt nicht nur internationale Gäste anzieht, sondern auch über exzellente lokale Kräfte verfügt. Das Grazer Lichtkunst-Kollektiv OchoReSotto taucht den barocken Saal in Pink und Blau, projiziert Blumen an die Stuckdecke und lässt die Kronleuchter tanzen. Dazu bringt das Schlagwerk-Ensemble „Studio Percussion graz“ Musik von Steve Reich und anderen zum Schwingen. Ein innovativer Abend, der junges und „alteingesessenes“ Publikum gleichermaßen begeisterte – auch wenn der teilweise von Stühlen befreite Stephaniensaal auch dazu einlud, sich frei im Raum zu bewegen.

„Licht Spiele“ mit dem Ensemble Studio Percussion graz
„Licht Spiele“ mit dem Ensemble „Studio Percussion graz“

Von Fans bestürmt 

Im Zentrum des Abschlusswochenendes steht Jordi Savall, der das Festival seit Anfang der 1990er-Jahre bereichert. In seinem Programm „Le Nuove musiche“ widmet sich der Altmeister am Freitagabend gemeinsam mit fünf handverlesenen Musikern seines Ensembles Hesperion XXI der frühen Barockmusik aus England, Italien, Deutschland, Spanien – und sogar Lima. Im Finale aus Südamerika swingt und groovt es besonders auf der fein illuminierten Bühne der Helmut List Halle. Savall, Pionier der Wiederentdeckung der Gambenmusik, präsentiert sich mit feiner Virtuosität auf seinem Instrument und als primus inter pares im Ensemble. Dass der 85-Jährige achtzig Minuten ohne Pause musiziert, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Dennoch erklatscht sich das Publikum mit stehenden Ovationen zwei unterhaltsame Zugaben. 

Mit einem geistlichen Konzert rund um den Bußpsalm „De profundis“ schließt die Styriarte. Die Trauermusik zum Begräbnis des Sonnenkönigs Ludwig XIV. von seinem Lieblingskomponisten Michel-Richard de Lalande eröffnete den Abend und ließ bereits das hervorragende Zusammenspiel aller Akteure erkennen. Jordi Savalls Ensemble Le Concert des Nations genießt bereits seit Langem internationales Renommee. Nicht minder beeindruckend präsentiert sich das von Savall und seiner ersten Frau Montserrat Figueras gegründete Vokalensemble La Capella Reial de Catalunya. Seine Homogenität und die Leichtigkeit des Vortrags begeistern – besonders im „Te Deum“ von Marc-Antoine Charpentier. 

„Le Nuove musiche“ mit Hesperion XXI unter der Leitung von Jordi Savall
„Le Nuove musiche“ mit Hesperion XXI unter der Leitung von Jordi Savall

Mit Freude erfüllt 

Nach einer ebenso überzeugenden Darbietung von Arvo Pärts „De profundis“ für Männerchor, Schlagzeug und Orgel hätte das Konzert eindrucksvoll enden können. Doch Jordi Savall setzt einen weiteren Akzent: Mit dem von ihm selbst bei Pärt in Auftrag gegebenen Friedensgebet „Da Pacem“ entlässt er das Publikum mit einer eindringlichen Botschaft des Friedens. Bevor der Abend jedoch in stiller Einkehr endet, lässt Savall noch einmal das prächtige Chorstück aus Charpentiers „Te Deum“ erklingen. Musiker und Publikum sind erfüllt von heller Freude – so weckt die Styriarte bereits die Neugier auf den Festivalsommer 2027 in Graz.

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