Zunächst spricht die Musik: Mit der Festivalhymne von Iván Fischer– arrangiert vom jungen Taneli Rauhalammi – begrüßt das BJO unter der Leitung von Aurel Dawidiuk den bis auf den letzten Platz ausverkauften Saal im Konzerthaus Berlin. Anschließend folgt der – kurze – offizielle Teil. Christina Henke, Staatssekretärin für Bildung, vertritt den Regierenden Bürgermeister, und Dr. Willi Steul, Vorsitzender des Freundeskreises europäischer Jugendorchester, erklärt das Festival bereits zum 27. Mal für eröffnet.

Als Solist für Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3 tritt Giorgi Gigashvili auf. Der 26-jährige Pianist ist bereits in den führenden Konzertsälen ein geschätzter Gast. Sein Zugriff auf eines der anspruchsvollsten Klavierkonzerte überhaupt zeugt von absoluter Souveränität und extrovertierter Spielfreude. Gigashvili genießt die musikalischen Extreme und beweist auch bei der Zugabe seine vielseitige künstlerische Persönlichkeit zwischen Humor und Dramatik.
Nach der Pause erklingt das Stück Noch ein Schritt von Giya Kancheli aus Gigashvilis Heimatland Georgien – spannend und nuanciert erzählt vom Orchester. Der ebenfalls erst 26-jährige Dirigent Aurel Dawidiuk führt die Musikerinnen und Musiker des BJO mit beeindruckender Präzision und Schwung. Diese Qualitäten kommen beim Finale – Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung – zur vollen Entfaltung: Die gewaltige Klangwucht gestaltet Dawidiuk mit ebenso viel Augenmaß wie Leidenschaft.
Die Kunst des (Ab)Feierns
Die besondere Atmosphäre des Festivals überträgt sich nicht erst beim Schlussapplaus des restlos begeisterten Publikums, sondern spiegelt sich auch in der frenetischen Würdigung wider. Die schöne Tradition, im Anschluss an die Eröffnung gemeinsam mit dem Publikum zu feiern, wird bei erfrischendem Regen fortgesetzt: Musikerinnen und Musiker des Youth Symphony Orchestra of Ukraine spielen gemeinsam mit dem BJO unter freiem Himmel bei Freibier und Brezeln.

Ein rundum gelungener Auftakt für ein ganz besonderes Festival. Wie der Künstlerische Berater Alban Gerhardt treffend bemerkt: Wenn es Young Euro Classic nicht schon gäbe, müsste man es glatt erfinden. Zum Glück begeistert es mit seiner verbindenden und verjüngenden Kraft bereits seit vielen Jahren alle Beteiligten. In den folgenden Tagen präsentieren Orchester aus Indien, der Ukraine, Portugal und den USA ihr Können und bescheren berührende Momente.






