Was bedeutet Mut in einer Zeit voller Veränderungen und Unsicherheiten? Wie kann man neue Wege wagen und miteinander im Gespräch bleiben? Diesen Fragen widmet sich das Kronberg Festival 2026 mit einem Programm, das Musik als Raum für Begegnung und Verständigung begreift.
Rund 30 Konzerte im Casals Forum und an weiteren Orten in Kronberg, öffentliche Cello-Meisterkurse, die Geigenbau Biennale Kronberg, Workshops sowie zahlreiche Begleitveranstaltungen laden dazu ein, unterschiedliche Facetten von „Courage“ zu entdecken: den Mut zum künstlerischen Risiko, die Stärke persönlicher Haltung und die Hoffnung, die gemeinsames Musizieren schenken kann.

Ein Vorbild für Mut und Menschlichkeit: Pablo Casals
Im Mittelpunkt des Festivals steht eine Persönlichkeit, deren Leben wie kaum ein anderes für die Verbindung von Kunst und Verantwortung steht: Pablo Casals. 2026 jährt sich der Geburtstag des legendären Cellisten und Humanisten zum 150. Mal.
Casals verstand Musik nie als reine Virtuosität. Für ihn war sie Ausdruck menschlicher Werte und ein Zeichen der Verantwortung gegenüber der Welt. Diese Haltung bildet den gedanklichen Kompass des Festivals. Raimund Trenkler, Gründer und Intendant der Kronberg Academy, beschreibt das Festivalmotto „Courage“ als eine Einladung zur Auseinandersetzung. Für ihn könne Musik Menschen darin stärken, der eigenen Stimme zu vertrauen, Verantwortung zu übernehmen und miteinander in Verbindung zu bleiben.
Das Programm macht das Thema in ganz unterschiedlichen musikalischen Facetten erfahrbar. Ein besonderer Höhepunkt ist das Konzert mit der ukrainischen Dirigentin Oksana Lyniv und dem Youth Symphony Orchestra of Ukraine. Gemeinsam mit Johannes Moser und Thomas Hampson entstehen musikalische Momente, die von Zuversicht und Widerstandskraft erzählen. Dabei verbindet die Uraufführung eines neuen Werks des ukrainischen Komponisten Yuri Laniuk die Gegenwart Europas unmittelbar mit dem Festivalgeschehen.

Vielfältige Klangwelten
Auch andere Programme greifen das Motto auf und führen in vielfältige Klangwelten. Wie etwa das Konzert mit Avi Avital und die Kremerata Baltica, das Brücken zwischen Alter Musik und Gegenwart schlägt. Anna Prohaska, das Ensemble Resonanz und Riccardo Minasi verbinden in „Illumination“ Tradition und moderne Klangsprache. Das Jerusalem Quartet führt am Ende des Festivals durch europäische Musiklandschaften. Und Stegreif – The Improvising Symphony Orchestra mit „freeEroica“ interpretiert Beethovens Dritte als spontanes musikalisches Abenteuer neu.
Die Kronberg Young Soloists stehen exemplarisch für die Idee des Festivals: Erfahrung weiterzugeben, künstlerische Verantwortung zu entwickeln und den eigenen musikalischen Weg zu finden. Zu den etablierten Künstlerpersönlichkeiten des Festivals zählen unter anderem François Leleux, Edgar Moreau, Marie-Elisabeth Hecker, Martin Helmchen, István Várdai, Sheku Kanneh-Mason, Gidon Kremer, Sir András Schiff, Janine Jansen und Fazıl Say. Außerdem Gabriela Montero, die zur Eröffnung des Kronberg Festivals den Pablo Casals Award erhält.
Besonders sichtbar wird diese Idee bei den öffentlichen Cello-Meisterkursen vom 25. bis 30. September 2026. Junge Cellistinnen und Cellisten aus aller Welt arbeiten mit international renommierten Mentoren. Dabei erhalten sie neue Impulse und stellen sich der Herausforderung, ihre Persönlichkeit musikalisch auszudrücken.
Das Publikum erhält dabei einen besonderen Einblick in den kreativen Prozess: Musik entsteht nicht nur im fertigen Konzert, sondern auch im Fragen, Ausprobieren und Weiterlernen. Genau darin zeigt sich eine weitere Dimension von Courage, nämlich der Mut, sich weiterzuentwickeln.

Ein Festival als Auftakt für eine neue Saison
Friedemann Eichhorn, Künstlerischer Leiter der Kronberg Academy, versteht das Festival als lebendigen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Bekannte Werke erhalten neue Perspektiven, zeitgenössische Kompositionen greifen Fragen unserer Zeit auf, und junge Künstlerinnen und Künstler werden Teil eines internationalen Austauschs.
Mit dem Kronberg Festival beginnt zugleich die Saison 2026/27 im Casals Forum. Die künstlerische Idee des Festivals prägt auch das weitere Programm des Jahres in Begegnungen zwischen Weltstars und Nachwuchstalenten, in neuen Konzertformaten und in etablierten Reihen.
Dazu gehören unter anderem die Mittwochskonzerte, FreundschaftsSpiele, Concerti Brillanti, Bach im Fluss, Jazz@Casals, Lied im Casals Forum, Klavier Solo, Kids@Casals, das Chamber Music Festival sowie die neue Vokalreihe Chorwelten.
Das Kronberg Festival 2026 lädt damit nicht nur zu außergewöhnlichen Konzerten ein, sondern zu einer Erfahrung, bei der Musik Haltung zeigen kann – als Zeichen des Mutes, der Menschlichkeit und der Hoffnung.

