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Schwedische Klangwelten auf Deutschlands Sonneninsel

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  • Schwedische Klangwelten auf Deutschlands Sonneninsel

Usedomer Musikfestival 2026

Im Herbst lädt das Usedomer Musikfestival zu einer klangvollen Entdeckungsreise durch Schwedens reiche Musikkultur ein.

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Wenn im Usedomer Spätsommer die Wildgänse nach Pommern zurückkehren und die Blätter in den alten Alleen rascheln, richtet sich der Blick auf Schweden. Vom 19. September bis zum 10. Oktober lädt das Usedomer Musikfestival mit über 30 Veranstaltungen dazu ein, das Nachbarland am rauschenden Meer zu entdecken.

Geprägt durch die schwedische Krone von 1648 bis 1720, spürt man das maritime Erbe noch heute an den historischen Orten Usedoms, wie dem Wasserschloss Mellenthin. Dieses Erbe verbindet: Während im Jahr 2026 Deutschland und Schweden 75 Jahre diplomatische Beziehungen feiern, widmet sich das Usedomer Musikfestival der reichen Klangwelt des skandinavischen Königreichs.

Der schwedische Klarinettist Martin Fröst ist Artist in Residence beim Usedomer Musikfestival 2026
Der schwedische Klarinettist Martin Fröst ist Artist in Residence beim Usedomer Musikfestival 2026

Die Musik erfüllt dann die eleganten Villen der Kaiserbäder, hallt durch ehrwürdige Dorfkirchen und erobert geschichtsträchtige Orte wie das Kraftwerk Peenemünde, Wolgast und Świnoujście. So wird die Ostseeinsel zu einem musikalischen Schmelztiegel, der die Länder verbindet.

Botschafter der Musik Schwedens

Mit dem Klarinettisten Martin Fröst und dem Vokalquartett Lemon Squeezy setzt das Festival auf ausgewiesene Botschafter der Musik Schwedens, die das Festival als Artists in Residence für mehrere Tage begleiten. Und diese könnten kaum unterschiedlicher sein. Martin Fröst zählt seit Jahren zu den international renommiertesten Musikern Schwedens und bewegt sich souverän zwischen klassischem Repertoire und experimentellen Konzertformaten. Lemon Squeezy wiederum steht für vokale Virtuosität und moderne Unterhaltungskunst. Beide aber spiegeln die programmatische Idee des Festivals wider, indem sie Schwedens Musikszene – von mittelalterlichen Volksweisen bis ABBA-Hits – in ihrer ganzen Bandbreite präsentieren.

Preisgekröntes A-cappella-Barbershop-Quartett aus Schweden: Lemon Squeezy
Preisgekröntes A-cappella-Barbershop-Quartett aus Schweden: Lemon Squeezy

Zu den Höhepunkten zählen die beiden großen Sinfoniekonzerte im Kraftwerk Peenemünde. Die eindrucksvolle Industriehalle dient als spektakuläre Bühne. Die Baltic Sea Philharmonic eröffnet das Festival unter der Leitung von Robert Treviño und stellt dabei die junge Cellistin Charlotte Melkonian vor, die mit dem Usedomer Musikpreis ausgezeichnet wird.

Wenige Tage später gastiert das NDR Elbphilharmonie Orchester mit Martin Fröst unter der Leitung von Andris Poga auf der Insel – ein Konzert das den schwedischen Mittsommer am Tag der Deutschen Einheit in Szene setzt mit Hugo Alfvéns schwedischer Rhapsodie „Midsommarvaka“, Mozarts Klarinettenkonzert – auch bekannt aus dem Hollywoodklassiker „Jenseits von Afrika“ – und Tschaikowskys „Manfred-Sinfonie“.

Mehr als ABBA

Auch in den Kammermusik- und Solistenprogrammen sind prominente Namen vertreten. Christina Nilsson hat in den vergangenen Jahren sowohl bei den Bayreuther Festspielen als auch an der Metropolitan Opera New York gesungen, ist offiziell Hofsängerin des schwedischen Königs und hat den Musikexportpreis ihres Heimatlandes errungen. Beim Usedomer Musikfestival widmet sich die Sopranistin einem Programm mit schwedischer Romantik und nordischen Klanglandschaften. Der Jazzpianist Martin Tingvall, das Phaeton Piano Trio, das Ensemble NeoBarock, Franz Ensemble sowie zahlreiche weitere Gäste ergänzen das internationale Aufgebot.

Die junge Cellistin Charlotte Melkonian wird mit dem Usedomer Musikpreis 2026 ausgezeichnet
Die junge Cellistin Charlotte Melkonian wird mit dem Usedomer Musikpreis 2026 ausgezeichnet

Und wer bei schwedischer Musik zuerst an Pop denkt, kommt ebenfalls auf seine Kosten. Zum 80. Geburtstag von Benny Andersson würdigt das Festival das kulturelle Phänomen ABBA. Lemon Squeezy und Solisten des Baltic Sea Philharmonic interpretieren die unvergänglichen Hits in einer Revue in Świnoujście und anschließend in einer großen Gala im Kaiserbädersaal in Seebad Heringsdorf.

Doch das Festival zeigt, dass Schwedens Musikgeschichte weit über die Popikonen hinausreicht. Ein Schwerpunkt liegt auf Komponistinnen des 19. Jahrhunderts, deren Werke lange im Schatten ihrer männlichen Kollegen standen. Namen wie Laura Netzel oder Amanda Maier stehen für eine bemerkenswert frühe und bedeutende Stellung von Frauen im schwedischen Musikleben und werden in mehreren Konzerten – von den Geschwistern Pellbäck bis zum Phaeton Piano Trio – neu entdeckt.

Konzerte im Rhythmus der Insel

Zum besonderen Charakter des Usedomer Musikfestivals gehört seit jeher die Verbindung von Musik und Landschaft. So entstehen erneut Formate, die unmittelbar aus dem Ort heraus gedacht sind, wie etwa schwedische Wiegenlieder in einem Liegekonzert, bei dem das Publikum entspannt auf Matten oder in Sesseln lauscht oder ein Konzert direkt am Strand mit Lemon Squeezy. Schauspielerin Annett Renneberg wiederum begibt sich gemeinsam mit der Pianistin Hideyo Harada auf die Spuren von Selma Lagerlöfs berühmtem Nils Holgersson, dem schwedischen Sommermythos schlechthin.

Klaviermusik mit Meeresbrise beim Usedomer Musikfestival
Klaviermusik mit Meeresbrise beim Usedomer Musikfestival

Seit seiner Gründung 1994 widmet sich das Usedomer Musikfestival den Kulturen des Ostseeraums. Mit dem Baltic Sea Philharmonic hat es sogar ein eigenes internationales Orchester hervorgebracht, das Musikerinnen und Musiker aller Ostseeanrainer vereint. Dass Schweden nun Gastland ist, erscheint deshalb weniger als einmalige Hommage, sondern vielmehr als konsequente Fortsetzung einer Idee, die das Festival seit Jahrzehnten verfolgt, nämlich kulturelle Verbindungen sichtbar und hörbar zu machen.

Wenn die Wildgänse also im Spätsommerlicht über das Meer nach Pommern ziehen, so wird die Insel für drei Wochen wieder zum Ort der Begegnung zwischen Klassik und Pop, Geschichte und Gegenwart sowie Deutschland, Polen und Schweden. Gibt es einen passenderen Ort für den kulturellen Dialog über die Ostsee hinweg?

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