Bachfest Tübingen 2018

Ein Barockmeister wird bearbeitet

Die schwäbische Universitätsstadt Tübingen eröffnet mit dem Bachfest neue Sichtweisen auf seinen Namensgeber

Tübingen © MarleneBitzer/gemeinfrei

Tübingen

Alle fünf Jahre wird das Bachfest der Neuen Bachgesellschaft gemeinsam mit dem gleichnamigen Festival der Stadt Leipzig gefeiert. „Das ist in der Regel ein einmaliges Ereignis, da es jedes Jahr in einer anderen Stadt stattfindet“, freut sich Matthias Ehm auf das bevorstehende Festival. Der Kulturmanager ist Projektleiter des 93. Bachfestes, das 2018 in Tübingen gefeiert wird.

Dank der Idee ihres Gründers Hermann Kretzschmar, finden seit 1901 Bachfeste an wechselnden Orten statt. Seit diesem Zeitpunkt ist der Grundstein für die Verbreitung des damals noch nahezu unbekannten Werks von Johann Sebastian Bach gelegt. „Insofern freuen wir uns sehr, dass die Neue Bachgesellschaft Tübingen ausgewählt hat und wir die Gelegenheit bekommen, die Stadt für zehn Tage lang zu einer Bach-Metropole zu machen,“ sagt Ehm. Unter dem Motto „Bach bearbeitet“ sollen möglichst viele Lesarten dieses Themas in rund 70 Veranstaltungen ausgelotet werden.

Fünf Jahre Vorbereitung

Doch dafür ist auch eine Menge Arbeit notwendig. „Fünf Jahre Vorbereitung, mehrere Hundert direkt Beteiligte aus den Bereichen Musik, Wissenschaft, Bildende Künste und Film, dazu viele Haupt- und Ehrenamtliche in dem Bereich der Festival-Organisation und -Durchführung“, erzählt Ehm. „Ohne sie wäre so ein Großereignis gar nicht möglich. Die drei Künstlerischen Leiter, Universitätsmusikdirektor Philipp Amelung, Kirchenmusikdirektor Ingo Bredenbach und der Rektor der Evangelischen Kirchenmusikschule Tübingen Christian Fischer leiten dieses Festival von Anfang an ehrenamtlich.“

Matthias Ehm

Matthias Ehm leitet das diesjährige Bachfest in Tübingen © privat

In Tübingen treffen Bearbeitungen des Komponisten selbst auf Bearbeitungen seiner Musik durch andere. „Das Motto lässt viele Lesarten zu. Johann Sebastian Bach war ein eifriger Bearbeiter von Kompositionen seiner Vorgänger, seiner Zeitgenossen wie Telemann und Vivaldi aber auch eigener Werke. So sind zum Beispiel wesentliche Teile der h-Moll-Messe und des ,Weihnachtsoratoriums‘ Bearbeitungen früherer Kantatensätze Bachs. Nach seinem Tod wurden Bachs Kompositionen selbst Gegenstand von Bearbeitungen nachfolgender Komponistinnen und Komponisten“, erklärt Ehm. „Aber Bach und sein Werk wirkten auch in andere Disziplinen wie Literatur, Malerei, Tanz oder Forschung hinein und erfahren dort bis heute ihre Bearbeitungen.“

„Mein Herz hängt an jeder einzelnen Veranstaltung diese Bachfestes“

Neben Konzerten, Filmen, Tanzveranstaltungen und Ausstellungen wird Bachs Musik in Kursen und Symposien studiert, hinterfragt und gedeutet. Bei so vielen unterschiedlichen Veranstaltungen fällt die Wahl schwer. „Mein Herz hängt an jeder einzelnen Veranstaltung dieses Bachfestes, vom Kinderchorprojekt bis zum Sinfoniekonzert, von den Morgenmetten bis zur Nachtschiene, vom intimen Kammermusikkonzert bis zur experimentierfreudigen Performance“, sagt der Projektleiter. „Genauso freue ich mich auf die Kantatengottesdienste mit den hiesigen Chören wie auf die Stars der Alten Musik-Szene, die beim Bachfest in Tübingen ihre Sicht auf ,Bach bearbeitet‘ präsentieren werden.“

Die Nachtkonzerte versprechen eine Mischung aus barocker Kammermusik, Jazz und experimentellen Formaten, bevor es morgens um neun Uhr schon wieder „In den Tag mit Bach“ geht. Die großen Abendkonzerte bilden das chronologische Gerüst: Zunächst steht die Musik vor Bachs Zeit im Fokus. Danach rücken Sybilla Rubens, Midori Seiler & Friends sowie das Stuttgarter Kammerorchester Werke des Thomaskantors und seiner Zeitgenossen in den Mittelpunkt. Die folgenden Konzerte drehen sich um die Musik nach Bach. Krönender Abschluss ist die h-Moll-Messe, interpretiert von der Akademie für Alte Musik Berlin und dem Ensemble Polyharmonique.

Spuren hat das Bachfest in Tübingen schon jetzt hinterlassen: „Kompositionen wurden angeregt, die im Rahmen des Bachfestes uraufgeführt werden. Es sind Werke bildender Kunst und Performances entstanden, die erstmalig beim Bachfest in Tübingen gezeigt werden“, berichtet Matthias Ehm. „Darüber hinaus würde ich sehr mich freuen, wenn die Besucher bleibende Eindrücke und vor allem neue Sichtweisen auf Johann Sebastian Bach mit nach Hause nehmen. Er wird sicher auch weiterhin eine große Rolle im Kulturleben der Universitätsstadt Tübingen spielen.“

Sehen Sie den Trailer zum Bachfest Tübingen 2018:

Die Festivaldaten im Überblick:

Bachfest Tübingen
28.9.-7.10.2018
Midori Seiler, Stuttgarter Kammerorchester u. a.
Tübingen

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