Festival de Pâques in Aix-en-Provence

Provençalische Ostern

Bevor Aix-en-Provence in sommerlicher Hitze versinkt, lockt die Stadt alljährlich die Klassikliebhaber bei milden Temperaturen zum Festival de Pâques

Renaud Capuçon © Simon Fowler/Warner Classics

Renaud Capuçon

Aix-en-Provence ist ein Ort, an dem man es sich besonders einfach gut gehen lassen kann. Das gestehen sogar viele verwöhnte Pariser der eleganten Stadt in der Provence mit ihren Märkten, Brunnen und zahllosen historischen Gebäuden aus Mittelalter, Renaissance und Barock zu. Vor allem im Frühjahr ergeben auch sie sich gern dem „savoir vivre“ auf dortigen Restaurantterrassen – dann ist es im französischen Süden einfach noch nicht so heiß wie im Sommer, wenn die Stadt zwischen Mai und Juli das umfangreiche Festival d’Art Lyrique d’Aix-en-Provence beherbergt. Das hat inzwischen eine kleinformatigere, aber sehr feine Konkurrenz bekommen: Der charismatische Geiger Renaud Capuçon ist künstlerischer Leiter des Festival de Pâques, das der Stadt seit 2013 in den beiden Wochen vor und nach Ostern Orchesterkonzerte, Kammermusik und Rezitals beschert.

Konzerte in einer Sporthalle aus dem 18. Jahrhundert

Thêatre du Jeu de Paume

Thêatre du Jeu de Paume © Jean-Claude Carbonne

Und weil ein Violinstar vom Range Capuçons nun einmal international ausgezeichnet vernetzt ist, fiel es dem Festival bereits in seinen ersten Jahren leicht, nicht nur die renommiertesten französischen Künstler, sondern auch Klangkörper wie das London Symphony Orchestra oder das New Yorker Avantgarde-Kammerorchester The Knights, Solisten wie Martha Argerich oder Daniel Barenboim und hochkarätige Kammermusikgruppen nach Aix zu locken.

Zu den Highlights der sechsten Ausgabe dieses Jahr gehört sicher die Aufführung von Mozarts „Le nozze di Figaro“ durch die Wiener Staatsoper im Grand Théâtre de Provence. Dieses „ganz der Musik gewidmete Gebäude“ des italienischen Architekten Vittorio Gregotti hat fast 1.400 Plätze und wurde 2007 buchstäblich vor den Toren des historischen Stadtkerns eröffnet. Hier und im frisch renovierten, am anderen Ende der Flaniermeile Cours Mirabeau an der Rue de l’Opéra gelegenen Théâtre du Jeu de Paume mit seinen knapp 500 Plätzen finden fast alle Konzerte statt. Letzteres, ein Haus mit boudoirroten Wänden, geschwungenen Brüstungen und üppiger Deckengestaltung in Hellblau und Gold, wurde 1787 eingeweiht und verdankt seinen Namen der Tatsache, dass an diesem Ort zuvor einem Vorläufer des Tennisspiels gefrönt wurde – angeblich sogar von Ludwig XIV selbst.

Festival de Pâques: Keine Einengung durch Oberthemen

Das Puzzle der Programmzusammenstellung beschäftige ihn das ganze Jahr, erzählt Renaud Capuçon in seiner Präsentation des Festivals. Dabei liegt ihm auch die Nachwuchsförderung am Herzen: In der Reihe „Génération@Aix“ ist für diese Ausgabe die erst 12-jährige Geigerin und Komponistin Alma Deutscher eingeladen. Sie wird ein eigenes Werk und eine Sonate von Rachmaninow spielen. Zu den noch jungen Traditionen in Aix gehört, dass jedes Jahr eine Bach-Passion aufgeführt wird – schließlich ist Ostern. Das übernimmt dieses Jahr das Ensemble Pygmalion mit seinem Dirigenten Raphaël Pichon.

Ansonsten gebe es aber keinerlei Einengung durch Oberthemen, betont der 41-jährige Festivalleiter, der natürlich im Laufe des Festivals selbst mehrfach mit unterschiedlichen Ensembles auf der Bühne stehen wird. Wie es sich für ein französisches Festival gehört, wird in diesem Jahr des 100. Todestages von Claude Debussy mit einem hochkarätigen Abschlusskonzert gedacht. Solisten sind neben Renaud Capuçon der persisch-österreichische Cello-Shootingstar Kian Soltani sowie Daniel Barenboim und Martha Argerich, Freunde seit Kindheitstagen.

Der glücklichste Mensch im Theater

„Das Festival hat das Leben in dieser Gegend während der Osterzeit verändert, indem es dem Heiligen, den Emotionen, Begabung und Exzellenz einen Ehrenplatz gegeben hat. Damit eröffnet sich uns in einem Moment, in dem alles düster erscheint, die großartige Chance, davon zu träumen, dass die Welt tatsächlich schöner sein könnte“, verspricht Capuçon in für Deutsche etwas ungewohnt überschwänglichem Duktus. Dass er während des ganzen Festivals „der glücklichste Mensch im Theater“ ist, glaubt man ihm jedoch sofort.

Ivry Gitlis auf dem Festival de Pâques 2016:

Die Festivaldaten im Überblick:

Festival de Pâques
Zeitraum: 26.3 .- 8.4.18
Mitwirkende: Renaud Capuçon, François-Xavier Roth, Sir András Schiff, Cappella Barca, Vadim Gluzman, Yefim Bronfman, Khatia Buniatishvili
Ort: Aix-en-Provence

Auch interessant

ONLINE-INTERVIEW

In der Welt von… Renaud Capuçon

In unserer Reihe „In der Welt von...“ begleiten wir, vernetzt durch Smartphone und Social Media, Künstler auf Reisen, zu spannenden Projekten und besonderen Ereignissen weiter

Interview Renaud Capuçon

„Hoffentlich bin ich noch interessant fürs Publikum!“

Wirklich Angst vor einem Verfallsdatum hat Renaud Capuçon nicht – und doch macht sich der Geiger so seine Gedanken um die eigene musikalische Attraktivität weiter

Porträt Renaud Capuçon

Violine als Leidenschaft

Renaud Capuçon ist Geiger, Festivalintendant und bald auch Professor. Seine Antriebskraft ist große Neugier, sein Energie­spender die Familie. weiter

Rezensionen

CD-Rezension Debussy – Sonaten und Klaviertrios

Prächtiger Auftakt

Brillant harmonieren die verschiedenen Besetzungen und lassen interpretatorisch keinen Zweifel an ihrer Sicht auf Debussy weiter

CD-Rezension Renaud Capuçon – 21st Century Violin Concertos

Schöne Neue Welt

Renaud Capuçon beeindruckt mit drei ihm gewidmeten Kompositionen weiter

CD-Rezension Renaud Capuçon

Liebevoll

Mit berückender Eleganz: Renaud Capuçon spielt Lalo, Sarasate und Bruch weiter

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *