Festival: Musikfest Berlin 2018

Anbetungen, Opfer und handfeste Skandale

Das diesjährige Musikfest Berlin befasst sich im Spätsommer mit „Ritualen“ und befragt dazu Werke von Strawinsky bis Stockhausen

Daniel Barenboim dirigiert die Staatskapelle Berlin © Holger Kettner

Daniel Barenboim dirigiert die Staatskapelle Berlin

Kompositionen können kontemplativ sein, festlich-fröhlich, tröstlich, auch einschläfernd. Oder schockierend wie am 29. Mai 1913, als im Théâtre des Champs-Élysées in Paris die Uraufführung des Balletts „Le Sacre du printemps“ von Strawinsky für musikhistorisch einmalige Tumulte sorgte. Mit diesem epochemachenden Werk gestaltet die Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim das Eröffnungskonzert des Musikfest Berlin 2018.

Jeweils im Spätsommer sorgt das Festival zusammen mit den Sinfonieorchestern der Hauptstadt für einen Schub an internationalen Spitzenkräften, Instrumental- und Vokalensembles. Seit 2006 ist Winrich Hopp Künstlerischer Leiter des knapp dreiwöchigen Musikfests, und immer wieder beweist er ein feines Gespür für die jeweiligen thematischen Schwerpunkte, die Akzentuierung und Kontrastierung des immensen Programms, das in diesem Jahr 65 Werke in 27 Veranstaltungen bietet.

Junge Gäste: Die Lucerne Festival Academy

„Rituale“ heißt die Klammer, die Zeitgenössisches mit Klassischem verbindet, von Pierre Boulez’ titelstiftendem „Rituel“ – eine vom Klang des Gamelanorchesters inspirierte musikalische Zeremonie – über Antonín Dvořáks Requiem bis zu Bernd Alois ZimmermannsIch wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne“, seine im Jahr 1970 entstandene „Ekklesiastische Aktion“.

Erstmals ist das Orchester der Lucerne Festival Academy zu Gast. 2003 von Pierre Boulez gegründet, kommen jährlich zur Festivalzeit über 100 Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt zusammen und studieren in einer mehrwöchigen Arbeitsphase Meilensteine des 20. und 21. Jahrhunderts ein. In diesem Jahr ist es ein Werk, das Winrich Hopp sicher seit langem schon am Herzen lag, promovierte er doch mit einer Arbeit über die Musik Karlheinz Stockhausens.

INORI beim Musikfest Berlin

INORI – Anbetungen für zwei Tänzermimen und großes Orchester des 2007 verstorbenen Visionärs ist eine transzendentale Feier der Schöpfung, die das junge Ensemble unter der Leitung von Peter Eötvös in der ursprünglichen großen Orchesterfassung aufführen wird. Inori bedeutet auf Japanisch Gebet bzw. Anbetung. Szenisch aufgeführte Gebets-Gesten werden wie Klangfarben und Tempi gestaltet. Ein heiliges Ritual, das eher für ein inneres Beben sorgen wird, anstatt Krawall zu provozieren.

Sehen Sie den Trailer zum Musikfest Berlin 2018:

Die Festivaldaten im Überblick:

Musikfest Berlin
Zeitraum: 31.08.-18.19.2018
Mit: Alexander Melnikov, Nicolas Altstaedt, Florent Boffard, Pierre-Laurent Aimard, Daniel Barenboim u. a.
Ort: Berlin

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