Tutzinger Brahmstage 2018

Kreative Sommerfrische und glühende Verehrerinnen

Die Tutzinger Brahmstage erinnern an ihren hanseatischen Gast im Sommer 1873.

Starnberger See bei Tutzing © shutterstock

Starnberger See bei Tutzing

„Tutzing ist weit schöner, als wir uns neulich vorstellen konnten“, schwärmte Johannes Brahms 1873 in einem Brief an den Dirigenten Hermann Levi. „Eben hatten wir ein prachtvolles Gewitter; der See war fast schwarz, an den Ufern herrlich grün, für gewöhnlich ist er blau, doch schöner, tiefblauer als der Himmel, dazu die Kette schneebedeckter Berge – man sieht sich nicht satt.“ Beim Gastwirt Konrad Amtmann hatte er sich für 25 Gulden „ein Zimmer und ein Kabinett im ersten Stock“ genommen; sechs Gulden musste er noch für das Klavier berappen. Die Pension war damals vorwiegend von englischen Damen belegt, die sich als glühende Verehrerinnen des großen Komponisten herausstellten. Dennoch verbrachte Brahms einen erstaunlich produktiven Sommer. Aus dem Plan, eine Oper zu schreiben, wurde zwar nichts, dafür „komponierte er in Tutzing drei Werke“, wie auf dem massiven Gedenkstein an der Tutzinger Brahmspromenade zu lesen ist. Die Streichquartette op. 51, die Haydn-Variationen op. 56, und die Lieder und Gesänge op. 59.

Ein Festival zum hundertsten Geburtstag: Tutzinger Brahmstage

Evanglische Akademie Tutzing, Schlosshof vor dem Musiksaal

Spielstätte der Brahmstage: Evanglische Akademie Tutzing, Schlosshof vor dem Musiksaal © EAT Archiv

Tutzing schien seinerzeit „the place to be“, lebte hier doch auch der einflussreiche Verleger Georg Eduard Hallberger, der viele Künstler um sich scharte. Und das Sänger-Ehepaar Therese und Heinrich Vogl, beide berühmte Wagner-Interpreten und die Aushängeschilder der Münchner Oper. Mit Brahms übten sie im Pavillon dessen neue Lieder, und sogar König Ludwig II. soll sie vom Boot aus gegrüßt haben. Jener bayerische König, der im Dezember des gleichen Jahres den Hanseaten Brahms mit den Maximilian-Orden für Kunst und Wissenschaft auszeichnen wird. In Tutzing vergaß man Brahms nicht, allen voran die Pianistin Elly Ney, ebenfalls eine Tutzingerin. Zum 100. Todestag des Komponisten 1997 schließlich fanden die ersten Tutzinger Brahmstage statt unter der Leitung von Christian Lange. Auch im 21. Jahr ihres Bestehens bleibt man sich der Devise „klein und fein“ treu. Vier Konzerte mit handverlesenen Künstlern gibt es zu hören: Martin Stadtfeld und das Klenke Streichquartett, das Trio Vivente, der Klarinettist Roman Gerber mit dem Goldmund Streichquartett und die Sopranistin Andrea Jörg mit dem Pianisten Julian Riem.

Die Haydn-Variationen komponierte Brahms bei seinem Aufenthalt in Tutzing:

concerti-Tipp:

Tutzinger Brahmstage
14.–28.10.2018
Mit: Martin Stadtfeld, Klenke
 Quartett, Julian Riem, 
Goldmund Quartett u. a.
Ev. Akademie, Galerie Benzenberg

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