Sie waren kürzlich auf den Spuren einer „La traviata“- Produktion in der Arena di Verona. Was begeistert Sie an der Opernwelt?
Michael Kessler: Ich muss gestehen: Ich bin eigentlich nicht der größte Opern- Fan. Mich hat aber schon während meiner Zeit am Theater be- eindruckt, wie beseelt, unbelastet und vergnügt viele Sänger nach einer Aufführung sind. Mir scheint, das ist nicht so eine verkopfte Arbeit wie das Schauspiel. Und was muss das doch – bei allem Stress – für ein Glücksgefühl sein, wenn wie in Verona vor 10 000 Menschen all diese Töne aus einem herauskommen und das Publikum von der Musik berührt wird. Welche unglaublichen Emotionen Musik auslösen kann, habe ich auch während meiner Arbeit an Loriots „Ring an einem Abend“ an der Oper Kiel gelernt. Der Wagner, der hat mich gekriegt!
Welche Musik läuft bei Ihnen zuhause?
Kessler: Derzeit viel Wagner, mit dem „Ring“ bin ich noch nicht durch. Ansonsten bin ich eher fernab der Oper unterwegs. Ich liebe Bach, höre aber auch gern Beethoven, Sibelius oder Rachmaninow. Auch wenn ich ab und an zu Vivaldi greife, mag ich es nicht zu verspielt. Klassik darf für mich schwer und dramatisch sein. Zugleich muss Musik für mich die richtige Energie haben. Wenn ich traurig bin, höre ich keine lustigen Stücke, und wenn ich quietschvergnügt bin, brauche ich auch Leichteres auf den Ohren.
Finden Sie privat Zeit, ins Konzert zu gehen?
Kessler: Leider viel zu selten. Ich erinnere mich an einen Abend im Kloster Eberbach mit Bachs „Brandenburgischen Konzerten“. Das war eine unbeschreibliche Atmosphäre. Ich müsste viel häufiger die Zeit dafür finden, denn jedes Mal geht mir dabei das Herz auf.





