… ihre Pläne für die Residenz am Konzerthaus Berlin
Vera-Lotte Boecker: Einerseits möchte ich endlich die Stücke singen, die ich immer schon einmal singen wollte, zum Beispiel Brittens „Les Illuminations“. Andererseits freue ich mich darauf, einen wirklich großen Bogen über Barock, Klassik, Romantik und Moderne zu spannen. Ich würde mich selbst als „Antispezialistin“ bezeichnen, im schmeichelhaftesten Fall vielleicht als „Universalistin“. Es gibt keinen Stil und keine Epoche, in der ich mich vorwiegend aufhalte. Ich möchte alle Arten von klassischer Musik singen und entdecken. Ich hoffe sehr, dass sich das Publikum über diese Vielseitigkeit freut.
… einen interdisziplinären Porträtabend
Boecker: Ich durfte für diesen Abend die Musik und meinen Gesprächspartner selbst aussuchen und habe das große Glück, dass der buddhistische Mönch und Lehrer Holger Yeshe zugesagt hat. Durch ihn bin ich vor sechs Jahren zum ersten Mal mit Meditation in Berührung gekommen, und meine Meditationspraxis hat mich sehr verändert, tatsächlich auch mein Musizieren. Ich freue mich darauf, einige dieser Erfahrungen und Perspektiven mit dem Publikum zu teilen. Natürlich wird es auch Musik geben, die mir besonders am Herzen liegt.
… die Rolle von Unsuk Chins Musik für Ihre Residenz
Boecker: Ich habe noch nie etwas von Unsuk Chin gesungen und freue mich unglaublich darauf, diese großartige Komponistin nun näher kennenzulernen. Dass sie im selben Jahr Composer in Residence ist, ist ein glücklicher Zufall, von dem ich sehr profitiere.
… Vorfreude
Boecker: Es ist ein Geschenk, immer wieder ans Konzerthaus zurückzukehren und dabei mit so unterschiedlichen Dirigenten zusammenarbeiten zu dürfen. Die Abende am Konzerthaus sind wie ein Orgelpunkt, der sich durch die gesamte Saison zieht. Das gibt ein gutes Gefühl von Kontinuität und ist etwas sehr Seltenes in diesem Beruf.
… das Berliner Publikum
Boecker: Ich habe in Berlin studiert, war an der Komischen Oper engagiert und habe zwei Premieren an der Staatsoper gesungen. Ich glaube also, das Berliner Publikum ein bisschen zu kennen. Ich empfinde es als neugierig, unsentimental und unbestechlich, aber auch als überaus begeisterungsfähig, wenn ihm etwas wirklich gefällt. Ich glaube, das Berliner Publikum ist mir selbst als Konzertbesucher gar nicht unähnlich.



