Ein Fest für Mackie

Die Bochumer Symphoniker feiern „Ein Fest für Mackie“

„Ein Fest für Mackie – Die Kneipenkantate für Bettler und Bergleute“ erzählt die „Dreigroschenoper“ weiter.

© Astrid Ackermann

Moritz Eggert

Moritz Eggert

Wer hätte es für möglich gehalten, dass die Bochumer Symphoniker und das Schauspielhaus Bochum zu ihrem 100. Geburtstag eine so zwielichtige Bagage einladen? Erinnern Sie sich noch an Mackie Messer, der im Londoner Untergrund Angst und Schrecken verbreitet und die Tochter des Bettlerkönigs Jeremiah Peachum gegen den Willen der Eltern heiratet? Aus diesem Stoff der mittlerweile fast 300 Jahre alten „Beggar’s Opera“ schmiedeten Bertolt Brecht und Kurt Weill 1928 ihren Kassenschlager „Die Dreigroschenoper“, die mit einem unerwartet versöhnlichen Ende überrascht: Der von den Huren verratene Schurke Mackie Messer kommt nicht an den Galgen, sondern wird in letzter Sekunde durch einen Boten des Königs begnadigt. Aber ist die Geschichte damit wirklich auserzählt?

„Ein Fest für Mackie“: Moritz Eggert als Klavierspieler-Karl

Offenbar nicht, denn mit ihrer Kantate „Ein Fest für Mackie“ lassen Komponist Moritz Eggert und Autor Martin Becker den alten Haudegen wieder auferstehen – als körperliches und psychisches Wrack im Ruhrpott-Milieu. Die Zeiten, als Mackie noch Kohle aus der Erde geholt hat und auf nächtlichen Beutezügen in fremde Wohnungen einstieg, sind längst vorbei. Von Panikattacken heimgesucht, traut er sich nicht mehr vor die Tür und hat die Geschäfte an seine Frau Polly abgegeben. Trotzdem hat er sich zur großen Kneipenfeier als Eröffnungsredner angekündigt. Klavierspieler-Karl sitzt bereit, um die angekündigte Kantate gebührend zu begleiten, und auch Herr und Frau Peachum, die ihren Schwiegersohn nach wie vor aus tiefstem Herzen hassen, warten mit Ungeduld, dass das Fest endlich beginnen kann. Doch warum erscheinen die Gäste nicht? Traut Mackie sich nun doch nicht aus dem Haus? Und wo steckt der Studentenchor, der in Bergmannskluft für Stimmung sorgen sollte?

„Nostalgisch, böse und nicht ohne Hoffnung“ – so charakterisieren Eggert und Becker ihre „Kneipenkantate für Bettler, Bergleute und Betrunkene“, die im Auftrag der Bochumer Symphoniker und des Schauspielhauses entstand. Eggert, der für das Musik- und Tanztheater, in Orchesterwerken, Vokal- und Kammermusik mit unterschiedlichen Musikstilen experimentiert, schlüpft bei der Uraufführung von „Ein Fest für Mackie“ in die Rolle des Klavierspieler-Karl. Wenigstens einer, der pünktlich zur Feier erscheint.

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