Als sich die weltberühmte Konzertorganistin Iveta Apkalna bereits vor zehn Jahren dem „Blind gehört“-Format von concerti stellte, durfte in der Stückauswahl auch Francis Poulencs Orgelkonzert nicht fehlen. Schließlich handelt es sich um eines ihrer absoluten Lieblingsstücke, um die „Crème de la Crème für Orgel und Orchester“, wie die gebürtige Lettin damals bekannte. Seine musikalische Ausdruckswelt reicht von Tragik und Komik über Jazzelemente bis hin zu feinster Akkuratesse. Zugleich entstand die Komposition in jener Lebensphase, in der sich Poulenc nach dem tragischen Unfalltod seines Freundes Pierre-Octave Ferroud dem katholischen Glauben zuwandte – eine Zeit, aus der einige seiner eindringlichsten und persönlichsten Werke hervorgingen.
Apkalna hat das Orgelkonzert inzwischen in zahlreichen bedeutenden Konzerthäusern interpretiert, darunter auch in der Elbphilharmonie, deren Titularorganistin sie seit der Eröffnung des Hauses ist. Nun kehrt sie mit dem Werk ins Berliner Konzerthaus zurück, wo sich Solisten, Chor und Orchester der Komischen Oper Berlin unter dem Titel „Sacre Chor“ weiteren französischen Sakralwerken der Jahrhundertwende widmen. So erklingt mit Gabriel Faurés Requiem das einzige größere geistliche Werk des Komponisten, in dem er bewusst auf dramatische Zuspitzung und theatrale Effekte verzichtete, um den Tod nicht als Schrecken, sondern als friedvollen Übergang zu schildern. Friedlich soll nach den Erinnerungen Nadia Boulangers auch der Tod ihrer Schwester Lili gewesen sein. Deren lyrisch-düsterer „Psalm 130“ wirkt wie der Versuch einer musikalischen Annäherung an jene schwere Krankheit, die ihr kurzes Leben überschattete und schließlich viel zu früh beendete.




