„Ich kenne ihn, seit er mit kurzen Hosen im Wiener Musikverein aufgetreten ist, und bin seither sein Nr.-1-Fan“, schrieb Zubin Mehta in einem Brief über Rudolf Buchbinder. Beide studierten einst in Wien; 1983 standen sie erstmals gemeinsam auf der Bühne. Anlässlich ihrer runden Geburtstage 2026 – der Maestro wurde im April neunzig, der Pianist wird im Dezember achtzig – sind sie nun gemeinsam in München zu erleben. Wie schon bei ihrem Debüt mit dem New York Philharmonic vor über vierzig Jahren, interpretiert Buchbinder Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37. Das tiefe Verständnis des Österreichers für dessen Musik rührt aus einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Menschen Beethoven: Nur wenn das Wissensfundament stimmt, ist man in der darauf aufbauenden interpretatorischen Architektur frei. Daher gehört das Studium der Beethoven-Partituren, die Buchbinder leidenschaftlich sammelt, zu seiner essenziellen Routine.
Dennoch dürfe der natürliche Instinkt in der Interpretation nicht verloren gehen. „Erwachsene kommen da schnell ins Grübeln“, weiß Buchbinder, der sich die Aufnahmen seines eigenen Spiels nicht anhört – ausgenommen jene aus Kindheitstagen, in denen er etwa als Acht- oder Neunjähriger Chopin-Etüden mit souveräner Selbstverständlichkeit interpretiert. Mit Richard Strauss’ opulentem „Also sprach Zarathustra“ gräbt wiederum der Klangmagier Zubin Mehta in seiner eigenen Herkunft. Zwar versteht er sich als hundertprozentiger Inder, gehört jedoch zugleich der ethnisch-religiösen Gemeinschaft der Parsen an, einer aus dem Iran stammenden, dem Zoroastrismus verbundenen Glaubensgemeinschaft, auf deren Lehren wiederum Friedrich Nietzsches philosophischer Text basiert.




