Radio-Tipp: Geschichte der Buh-Rufe auf BR-Klassik

Melomanen außer Rand und Band

Heute Abend beschäftigt sich das Musik-Feature auf BR-Klassik um 19:05 Uhr mit der Tradition der Buh-Rufe

© Gunnar Geller/Komische Oper Berlin

Opernpublikum

Opernpublikum

Meistens ist es ja so: eine Opernpremiere wird erst dann als erfolgreich angesehen, wenn nicht nur begeisterte Jubelrufe, sondern auch vernichtende Buh-Rufe den Saal erfüllen. Wobei diese Unmutsäußerungen selten die Künstler, sondern eher die Macher treffen. Und das ist dann schon wieder ein Glücksfall. Schließlich können die meisten Sänger mit anfeindenden Buhs meist nicht richtig umgehen und lassen sich davon nur allzu leicht verunsichern oder gar verletzen, während für viele Regisseure Buh-Rufe geradezu einer Auszeichnung gleichkommen und sie deswegen nicht selten bewusst auf den Skandal setzen, um sich in der aufkochenden Wut im Saal suhlen zu können.

Nur im Fußballstadion kochen die Emotionen ebenso hoch wie im Opernhaus, und viele Künstler halten den Buhrufer für einen nahen Verwandten des Hooligans, dem stets das Stadionverbot droht. Aber während in früheren Jahrhunderten bei Missfallen auch verrottetes Gemüse und faule Eier auf die Bühne geworfen wurden, sind Buhrufe und Pfiffe durchaus als zivilisatorischer Fortschritt zu werten.

Buh-Rufe haben Tradition

Saalschlachten wie beim Bayreuther „Jahrhundert-Ring“ von Patrice Chéreau sind aber eher die Ausnahmen. In der Regel beruhigen sich auch die vehementesten Opernfans schnell, wenn das Licht im Saal wieder angeht. Die großen Uraufführungsskandale wie Rossinis „Barbier von Sevilla“ oder Verdis „La traviata“ hatten jedenfalls mehr mit dem gesellschaftlichen Umfeld als mit der musikalischen Leistung zu tun.

Dem österreichische Kaiser Joseph II. wurde dieser Premierenturbel irgendwann zu bunt. Deswegen ließ er am Wiener Burgtheater jede Publikumsreaktion, also auch den Applaus, verbieten. Und auch Glenn Gould plädierte seinerzeit dafür, dass man Buh-Rufe sowie Applaus einfach abschaffen sollte. Aber sollte man Publikumsbekundungen wirklich verbieten? Oder gar nur den Applaus zulassen? Darf man als Publikum sein eigenes Geschmacksurteil äußern? Oder ist in der Kunst die eigene Meinung nicht gerne gesehen? Um all diese Themen geht im heutigen Musik-Feature auf BR-Klassik.

concerti-Tipp:

Das Musik-Feature
Eine Kulturgeschichte des Buhens in der Oper
Fr. 15.12., 19:05 Uhr
BR-Klassik

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