Radio-Tipp: Korngold und Zeisl auf Deutschlandfunk Kultur

Wiens verlorene Söhne

Heute Abend beschäftigt sich das Musikfeuilleton auf Deutschlandfunk Kultur um 22 Uhr mit den späten Werken von Korngold und Zeisl

© Schott Music Promotion

Erich Wolfgang Korngold

Erich Wolfgang Korngold

Im deutschsprachigen Raum sind die beiden jüdischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold und Erich Zeisl kaum jemandem ein Begriff. Dabei wurden erst in diesem Jahr zwei ihrer Opern quasi wiederentdeckt. Um selbige Stücke dreht sich heute Abend bei Bernhard Doppler alles im Musikfeuilleton.

Leben im Exil

© Dr. Barbara Zeisl Schoenberg/Wikimedia Commons

Erich Zeisl

Erich Zeisl

Wenn man sich die Biografie Erich Zeisls anschaut, der vor dem Zweiten Weltkrieg ein erfolgreicher österreichischer Komponist war, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass er nach seinem Exil in den Vereinigten Staaten nicht so recht Fuß fassen konnte. Zwar wird er von Experten nach wie vor für seine Weiterentwicklung des Kunstlieds geschätzt, und 2005 kam es anlässlich seines 100. Geburtstags auch zu einem kleinen Revival seiner Werke, aber der Name Zeisl ist inzwischen immer noch lediglich einem kleinen Kennerkreis bekannt. Nichtsdestotrotz wurde seine Oper „Leonce und Lena“, die Büchners gleichnamiges Drama als Vorlage hat, in der vergangenen Spielzeit in Linz gezeigt.

Anders als Zeisl konnte sich sein Leidensgenosse Erich Wolfgang Korngold, der 1920 nach der Uraufführung seiner Oper „Die tote Stadt“ quasi über Nacht zu Ruhm und Ehre kam, in den Vereinigten Staaten sehr wohl durchsetzen. Nachdem er 1934 ins Exil und auf Einladung von Max Reinhardt nach Los Angeles ging, widmete er sich aber vor allem der Filmmusik. Mit großem Erfolg: Für gleich zwei seiner Kompositionen gewann Korngold einen Oscar. Seine Arbeit als Opernkomponist blieb in Übersee allerdings so gut wie unbeachtet. Nach dem Krieg wurde seine musikalische Komödie „Die stumme Serenade“, die dank diverser Tänze und Jazz-Einschüben eher der Berliner Operette zuzuordnen ist, zwar 1954 in Dortmund uraufgeführt, doch verschwand sie danach jahrzehntelang von der Bühne. Mit ein Grund dafür dürften die vernichtenden Kritiken gewesen sein, während das Publikum „Die stumme Serenade“ begeistert aufnahm.

Korngold und Zeisl im Mittelpunkt

Erst 2007 kam es anlässlich des 50. Todestages von Erich Wolfgang Korngold zu einer weiteren Aufführung in München. Seitdem ist die Oper immer mal wieder auf deutschen Bühnen zu sehen, erreicht aber meist nur ein Liebhaberpublikum. Umso ehrenhafter ist es, dass Deutschlandfunk Kultur mit seinem Musikfeuilleton Korngold und Zeisl nun eine komplette Sendung widmet, die sowohl in die Vereinigten Staaten, in die Villa Arnold Schönbergs in Los Angeles sowie zum Wiener „Exil-Arte-Zentrum“ führt, wo derzeit die Ausstellung „Wenn ich komponiere, bin ich wieder in Wien“ zu sehen ist.

Ausschnitt aus Korngolds „Die stumme Serenade“:

concerti-Tipp:

Musikfeuilleton
Wiens verlorene Söhne
So. 3.12., 22 Uhr
Deutschlandfunk Kultur

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