Deutschlandfunk: Korstick spielt Kabalewsky

Von den Fesseln des Warschauer Paktes befreit

Heute Abend sendet der Deutschlandfunk um 21:05 Uhr eine Eigenproduktion aus dem Kammermusiksaal: Michael Korstick spielt Klaviersonaten von Dmitri Kabalewsky

© Jochen Berger

Michael Korstick

Michael Korstick

Dass die Klavierwerke des russischen Komponisten Dmitri Kabalewsky im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen Sergej Prokofjew und Dmitri Schostakowitsch in deutschen Konzertprogrammen eher selten anzutreffen sind, verwundert nicht: Kabalewsky stand dem Regime der UdSSR nicht nur sehr nahe, sondern übte im Laufe seines Lebens auch so manches politische Amt aus. So wurde er etwa 1956 Mitglied des Kulturministeriums, nachdem er 1940 in die KPdSU eintrat. Auch den Parteibeschluss, der den „Formalismus“ in den Werken einiger Komponisten – etwa von Prokofjew und von Schostakowitsch – scharf angriff, überstand er glimpflich überstand, da seine Kompositionen vom Regime anders eingeschätzt wurden.

Kabalewskys musikalische Welt

In der Tat war der Sozialistische Realismus die Grundlage von Kabalewskys Schaffen. Seine Musik war immer fest in der Tradition verankert und bewegte sich stets im Rahmen der Tonalität. Musik also, die in der damaligen Sowjetunion gewünscht und stark gefragt war – die es aber nie über die Grenzen des Warschauer Paktes schaffte, da sie im Westen als opportun abgelehnt wurde. Dabei bestachen die Kompositionen von Dmitri Kabalewsky seit jeher durch ihre große Vitalität und Frische sowie durch das spielerische Changieren zwischen Dur und Moll – quasi ein Markenzeichen des Russen, dessen Spätwerk von Introvertiertheit und einem Hang zu freierer Harmoniebildung geprägt war.

Michael Korstick interpretiert Dmitri Kabalewsky

Dem deutschen Pianisten Michael Korstick, der nicht nur als einer der wichtigsten Beethoven-Interpreten unserer Zeit gilt, sondern der sich auch mit seinen Einspielungen der Klavierwerke von Rachmaninow, Bartók und Prokofjew einen Namen gemacht hat, liegen die unbekannten Klavierwerke von Dmitri Kabalewsky am Herzen. In diesem und im vergangenen Jahr hat er deswegen die ersten drei Klaviersonaten sowie das Rezitativ und Rondo für Klavier im Deutschlandfunk Kammermusiksaal des 1987 im Alter von 82 Jahren in Moskau verstorbenen Russen aufgenommen, die heute um 21:05 Uhr in der Deutschlandfunk-Sendung „Musik-Panorama“ zu hören sein werden.

Korstick spielt Kanalewskys viertes Klavierkonzert:

concerti-Tipp:

Musik-Panorama
Korstick spielt Kabalewsky
Mo. 9.10., 21:05 Uhr
Deutschlandfunk

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