150. Todestag von Gioachino Rossini

Die Lust am Wiederentdecken

Heute vor 150 Jahren ist der italienische Komponist Gioachino Rossini in Paris gestorben.

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Gioachino Rossini, 1865

Gioachino Rossini. Fotografie von Étienne Carjat, 1865

Der Vater Trompeter, die Mutter Sopranistin, der Sohn einer der großen Komponisten des 19. Jahrhunderts – hinter Verdi, Mozart und Puccini landet Rossini auf Platz vier der weltweit meistgespielten Komponisten. Das hat er wohl hauptsächlich seinem „Barbiere di Siviglia“ zu verdanken, für dessen Niederschrift er nur dreizehn Tage benötigte, wie er seinem Kontrahenten Wagner berichtete, der Rossini übrigens durchaus anerkennend als einen „geschickten Verfertiger künstlicher Blumen“ sah.

Nach und nach wird der komplette Rossini entdeckt

Dabei hat Rossini noch 38 andere Opern und zahlreiche weitere Werke geschrieben. Bedauerlicherweise sind seine zahlreichen „Azioni tragici“ eher vergessen, mit Ausnahme seiner ungewöhnlich besetzten „Petite Messe solennelle“ ist seine ansonsten ebenfalls sehr originelle Kirchenmusik nur unter Liebhabern bekannt, seine luftige Orchestermusik taucht mit etwas Glück im einen oder anderen Konzert auf und seinen kuriosen „Péchés de vieillesse“ kann man höchstens in Spezialsendungen zu später Stunde lauschen.

Warum viele Werke Rossinis – zumindest in Deutschland – kaum aufgeführt werden, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen: Mal ist der veränderte Publikumsgeschmack nach 1850 schuld, mal die haarsträubende Quellenlage. Und gegen den deutschen Tiefgang von Beethoven, Wagner und Co. hatten die Werke des humorvollen Lebemanns doch keine Chance. Dabei sprühen vor allem seine Opern nur so von brillantem Witz und sarkastischer Schärfe. Erst jetzt, 150 Jahre nach seinem Tod, scheint nach und nach der komplette Rossini entdeckt zu werden.

Musikalische Erziehung seit frühester Kindheit

Bereits in seiner Kindheit genoss Rossini eine musische Erziehung. Ab 1804 wurde er in Bologna an der Violine und am Cembalo ausgebildet und schrieb sich kurze Zeit darauf am dortigen Musiklyzeum ein. Dort entstanden in den folgenden Jahren seine ersten Kompositionen und erste Erfolge stellten sich ein, vor allem mit „Il Signor Bruschino“, „Tancredi“ und „L’Italiana in Algeri“.

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Gioachino Rossini, 1829

Gioachino Rossini. Lithografie von Charlet Ory, 1829

Durch den Impresario Domenico Barbaia wurde er mit Anfang zwanzig mit der Leitung der renommierten königlichen Theater in Neapel betraut. Dort lernte er die bekannte Opernsängerin Isabella Colbran kennen und lieben. Frisch vermählt ließ er sich in Paris nieder, wo er zunächst mit der Leitung der Italienischen Oper betraut wurde und außerdem zum Hofkomponisten des französischen Königs Karl X. sowie Generalinspektor des Gesangs in Frankreich ernannt wurde. Rossini war bekannt für seinen liebenswerten, hilfsbereiten und auch selbstironischen Charakter, den er auch einem musikalischen Gegenspieler wie Wagner gegenüber nicht verlor.

Rossini hatte schon zu Lebzeiten Bewunderer aus allen Schichten

1830 war kein leichtes Jahr für Rossini, denn zum einen zog die französische Juli-Revolution mit der Absetzung Karls X. für Rossini den Verlust seiner Ämter nach sich und zum anderen trennte er sich von seiner Frau. Die neue große Liebe seines Lebens sollte die Französin Olympe Pélissier werden. Nach Stationen in Bologna und Florenz kehrte er nach Paris zurück, wo er seinen internationalen Ruhm und seine letzten Lebensjahre genoss.

Zu seinen Bewunderern gehörten Persönlichkeiten wie Wagner, Verdi, Stendhal, Schopenhauer und Heine. Unter dem Eindruck von Rossinis Tod lud Verdi die zwölf bedeutendsten Komponisten Italiens seiner Zeit ein, sich an der Gemeinschaftskomposition einer Totenmesse für Rossini zu beteiligen, die am ersten Todestag aufgeführt werden sollte. Die „Messa per Rossini“ wurde 1869 fertiggestellt, geriet in Vergessenheit und wurde 1988 erstmals von der Gächinger Kantorei unter der Leitung von Helmuth Rilling aufgeführt.

Auch wenn die große Schaffenszeit des italienischen Meisters nur knapp zwanzig Jahre umfasste, so führte sie doch zu einem Hype, der sich rasch in den europäischen Musikmetropolen Venedig, Neapel, Paris und Wien ausbreitete und alles bisher Dagewesene übertraf.

Hören Sie die „Petite Messe solennelle“ von Gioachino Rossini:

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