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Albumfenster: David Afkham Mahler 6. Sinfonie

Abschied, Dankbarkeit und die Frage nach dem, was bleibt

David Afkham über Mahlers 6. Sinfonie – seine jüngste Einspielung mit dem Spanischen Nationalorchester und seine letzte Aufnahme als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des OCNE.

Herr Afkham, diese Einspielung nach zwölf Jahren an der Spitze des Spanischen Nationalorchesters: ein Vermächtnis? Ihr Vermächtnis?

 „Zwölf Jahre war ich in Madrid. Als Chefdirigent und künstlerischer Leiter des OCNE; Ich war damals Anfang 30. Hatte kurz zuvor den Londoner Donatella-Flick-Dirigierwettbewerb gewonnen und wenig später den Nestlé and Salzburg Festival Young Conductors Award. Mutig von den Entscheidungsträgern damals. Meine erste Chefposition. Da wäre kein Platz gewesen für Mahler 6. Das musste reifen; ich musste reifen und ich musste dem Orchester eine Einheit werden. Jetzt war es an der Zeit. Wir haben so viel gemeinsam geschafft: Mahler 6 ist deshalb für mich logisch. Nicht als Vermächtnis. Als Ausdruck von Vertrauen und gemeinsamer Erzählweise. Wir kennen uns. Und ich schätze dieses Orchester wir kein zweites. Mit diesem Orchester wollte ich dieses besondere Werk einspielen.“ 

 Was macht dieses Werk für Sie so besonders?

Es ist ein extremes Werk. In Länge und Besetzung. Und natürlich tragisch. Die Symphonie ist aber weit mehr als nur tragisch. Sie ist eine Art Reflexion auf das Leben. Ich habe in den letzten zwölf Jahren eine Familie gegründet. Meine wunderbare Frau Christiane und ich haben zwei wundervolle Kinder. Das Leben ist gut; und auch wieder nicht. Der Blick in die Welt, die Krisen, ob im großen weltpolitischen Kontext oder auch im Kleinen. Wir Alle kennen die Zerrissenheit dieser Zeit. Zivilisatorisch so weit entwickelt. Die künstliche Intelligenz, die uns alles vermittelt. Und Alles zeigt. Und dann dieser Mangel an Empathie in der Welt. Für mich ist all das auch in Mahlers sechster Symphonie.  Das unheilvolle a-Moll und die notierten drei Hammerschläge. Der eigene Tod? Ich bin nicht abergläubisch. Ich bin gläubig. Und ich glaube an den Zauber des Lebens. Und auch das ist Mahler 6. Für mich.“

David Afkham
David Afkham

 Sie blicken zurück auf zwölf Jahre mit dem OCNE. Wenn diese Aufnahme kein Vermächtnis ist, was wird bleiben? Von Ihnen und dieser Zeit?

„Das werden andere sagen. Für mich bleibt die Dankbarkeit. Zudem komme ich wieder. Wenn dann auch nur als Gastdirigent. Darauf freue ich mich aber schon jetzt. Man hat mich hier in Spanien mit offenen Armen empfangen. Ich war einer unter ihnen. Teil dieser wunderbaren Gruppe an fantastischen Musikerinnen und Musikern. Und so konnten wir gemeinsam Höchstleistungen erzielen. Das haben die Menschen gemerkt. Auf dem Podium, dahinter und vor allem davor. Wenn ich jetzt nach zwölf Jahren auf die Bühne komme, spüre ich die Verbundenheit mit dem Publikum. Das ist großartig. Und elementar: denn wir alle sind im Dienst unseres Publikums. Das vergessen manch andere allzu oft.“

Herr Afkham, das scheint auch ein wenig Ihre Natur zu sein. Sie halten sich fernab des Podiums gerne zurück. Bleiben eher im Hintergrund. Ist das Rampenlicht nicht das natürliche Habitat eines Dirigenten?

Das überlasse ich gerne den Kolleginnen und Kollegen. Ich verstehe meinen Beruf nicht als Selbstdarstellung oder Verherrlichung eines
Individuums. Selbst kann ich mich noch an Zeiten erinnern, wo Kollegen ganz selbstverständlich auf die Anrede „Maestro“ bestanden haben. Sicher: Bernard Haitink, mein Mentor, war ein Maestro. Aber er war in erster Linie Mensch. Ein Mensch, der andere inspirierte. Das Feuer entfachte. Und so möchte ich meine Passion zum Beruf auch verstanden wissen. Ich bin Diener der Musik und Diener von Chor und Orchester; aber auch Diener meines Publikums. Denn ohne das, ist Alles Nichts.“

 Nun geben Sie den Staffelstab weiter an Kent Nagano. Was rufen Sie ihm zu?

Ich wünsche ihm viel Freude mit den wunderbaren Menschen des OCNE! Freuen Sie sich auf Madrid und auf ein wunderbares Publikum, lieber Kent Nagano! Es sind die Menschen, die die Geschichten des Lebens schreiben.“

Auszug aus dem 1. Satz

Auszug aus dem 2. Satz

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