Musikalische Dialoge zwischen West und Fernost integrieren oft bloß ein Instrument aus den Traditionen Asiens ins abendländische Orchester. Yu-Peng Chen, mehrfach ausgezeichneter Komponist und Pianist, der sich mit preisgekrönten Filmmusiken und Musik für Videospiele einen Namen machte, setzt in seiner großangelegten Orchestersuite „The Poem of Life“ eine ganze Reihe europäischer und chinesischer Instrumente solistisch ein. Das Booklet nennt Daniel Hope an der Violine, Avi Avital an der Mandoline und chinesische Kollegen an Klavier, Trompete und Cello. Hinzu kommen Meister der chinesischen Tradition mit der Laute Pipa, der Röhrenspießlaute Erhu, der Querflöte Dizi, der Längsflöte Xiao, der Mundorgel Sheng und der Wölbbrettzither Guzheng. Allerdings sind diese chinesischen Instrumente nur im Satz „Under the Moonlight“ zu hören. Die übrigen elf Sätze bringen westliche Instrumente in den Soloparts zum Einsatz. Das farbenreiche, stimmungsvolle Werk wandelt vor allem durch die Traditionen westlicher Orchestermusik: von Walzer und Bolero bis zu Jazz- und Latin-Anleihen, dazu kommen neoromantische Idiome. Alles ist hervorragend musiziert. Insgesamt aber bleibt „The Poem of Life“ mehr West als Fernost.
Chen: The Poem of Life
Daniel Hope (Violine), Avi Avital (Mandoline), Shanghai Philharmonic Orchestra, Liang Zhang (Leitung) u. a.
Deutsche Grammophon







