Beethovens letzte drei Klaviersonaten sind musikalische Genussmittel, deren ästhetischer Reichtum sich mit jedem Hören weiter entfaltet. Das mag sich auch Mitsuko Uchida gedacht haben, wenn sie zwanzig Jahre nach ihrer Studio-Einspielung einen neuen Live-Mitschnitt von Opus 109 bis 111 vorlegt. Im Kern bleibt sie ihrer Herangehensweise an die Trias von damals treu: Der Ton ist nobel und mit Hang zum Schweben, die Artikulation stets präzise, der Ansatz oft gesanglich, hier und da mit schelmischen Einfärbungen. Bravouröse Kapriolen würde man vergeblich suchen, stattdessen erweist sich Uchida als auf den inneren Zusammenhalt der drei Werke fokussierte Klangphilosophin. Höhepunkt ist – anders als man vermuten mag – nicht der viel gedeutete zweite Satz aus Opus 111, sondern das Finale der As-Dur-Sonate. Wie die 77-Jährige hier die Harmonien im Recitativo genießt, das kaum zwanzig Takte umfassende Arioso dolente zu einem Drama en miniature macht und wie erzählerisch sie gleichfalls die Fuge nimmt, das ist eine Klasse für sich. Uchidas Tempi sind im Vergleich zur Einspielung von 2006 in Summe spürbar langsamer, was ihrer philosophischen Exegese zum Vorteil gereicht.
Beethoven: Klaviersonaten Nr. 30 E-Dur op. 109, Nr. 31 As-Dur op. 110 & Nr. 32 c-Moll op. 111 (live)
Mitsuko Uchida (Klavier)
Decca




