Komponisten, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts geboren sind, scheinen heute allgegenwärtig in unseren Konzertprogrammen. Doch bietet sorgsame Recherche immer noch die Chance auf Trouvaillen. Das zeigt die neue Aufnahme der Norddeutschen Philharmonie Rostock unter Marcus Bosch. Am Beginn steht das dreisätzige Klavierkonzert von Hermann Graedener mit Oliver Triendl am Klavier. Nach sanftem Beginn und melancholischem Hornsolo entfaltet sich ein fast 20-minütiger erster Satz, den Solist und Orchester mit einer breiten Palette an Farben ausstatten. Die beiden folgenden Sätze sind in der Summe kürzer als der erste. Choralartig getragen gestaltet Triendl das Eingangsthema, keck tourt er durch das virtuose Rondo. Das zweite Werk ist die „Hymnische Symphonie“ der aus Linz stammenden Mathilde Kralik von Meyrswalden, einer Bruckner-Schülerin. Auch hier zeigt die Philharmonie Mut zu Farbe und Effekt, ohne das Grelle zu übertreiben. Ein stimmiges Plädoyer für zwei vergessene Werke.
Graedener: Klavierkonzert d-Moll op. 20, Kralik von Meyrswalden: Hymnische Sinfonie f-Moll
Tineke Van Ingelgem (Sopran), Oliver Triendl (Klavier), Norddeutsche Philharmonie Rostock, Oliver Triendl (Leitung)
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