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Rezension Yulianna Avdeeva – Metanoia

Grautöne farbig hören

Mit späten Klavierwerken von Franz Liszt erweist sich Yulianna Avdeeva als versierte Deuterin komplexer Grautöne.

vonPatrick Erb,

Als Peter Sloterdijk 2022 sein Werk „Wer noch kein Grau gedacht hat“ vorlegte, übertrug er auf die Philosophie, welche Bedeutung Paul Cézanne dem Grau in der Malerei beimaß: Grau verleiht der Welt erst ihre feine Komplexität. Doch es zu beherrschen, verlangt wahre Meisterschaft. In ihrem neuen Album „Metanoia“, das Franz Liszts h-Moll-Sonate einer Auswahl seiner Spätwerke gegenüberstellt, spürt Yulianna Avdeeva diesen komplexen Grautönen nach.

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In den kurzen, bereits in die Moderne weisenden Preziosen, in denen Liszt musikalische Gedanken aufs Äußerste verdichtet, gelingt ihr das famos. Die Pianistin dringt tief in die Essenz der Stücke vor und entfaltet zahlreiche Facetten und Schattierungen: mal in den Nuancen der Trauer („La lugubre gondola“), mal in religiöser Verklärung („R. W. – Venezia“), mal in tänzerischer Hysterie („Csárdás macabre“).

Auch der Sonate, die im Rückblick auf Liszts Leben durchaus existenziell anmutet, gewinnt Avdeeva neue Seiten ab. Sie entlockt ihr visionäre, beinahe impressionistische Klänge, die an die schwebende Klangwelt der „Nuages gris“ erinnern. Dabei nimmt sie der Sonate allerdings ihre virtuose Brillanz, ihre jugendliche Leidenschaft und poetischen Stimmungswechsel. So fein Avdeeva die Grautöne auch ausleuchtet: Erst im Spannungsverhältnis dieser Kräfte könnte die einsätzige Rhapsodie ihren ganzen Ausdrucksreichtum entfalten.

Metanoia
Liszt: Klaviersonate h-Moll, La lugubre gondola II, Bagatelle sans tonalité, Nuages gris u. a.

Yulianna Avdeeva (Klavier)
Pentatone

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