Schwarz, schräg, stark überzeichnet und oft grenzwertig in der moralischen Bewertung – das zeichnet für viele Betrachter den britischen Humor aus. Auch im englischen Kaspertheater geht es seit dem 17. Jahrhundert mitunter recht derb zu, wenn sich der anarchische Mr. Punch anfangs wenig zimperlich gegenüber seiner Frau Judy verhält. In seiner Kammeroper „Punch and Judy“ aus dem Jahr 1968 bedient sich Komponist Harrison Birtwistle, einst als junger Wilder der britischen Avantgarde gefeiert, dieser Figuren und vermengt sie zu einer grotesken Familientragödie, die augenscheinlich nichts für schwache Nerven ist: Der Vater wirft sein Baby ins Feuer, erdolcht die Freundin und schreckt auf der Suche nach seiner schönen Geliebten vor weiteren Morden nicht zurück. Birtwistles geniale, originelle und freche Orchestrierung mit eindeutig einzelnen Handlungen zugeordneten Blasinstrumenten sorgt dafür, dass trotz aller Brutalität das Lachen nicht zu kurz kommt. In der Regie von Wolfgang Nägele wird das selten inszenierte Stück erstmals in Frankfurt aufgeführt. Die musikalische Leitung hat Alden Gatt.
Birtwistle: Punch and Judy
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„Ohne Geige würde mir die Seele fehlen“
Seit 2011 leitet Joshua Bell die Academy of St Martin in the Fields. Sein Violinspiel liegt in zahlreichen Aufnahmen vor – und in 20 000 digitalen Samples.
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